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LOCATIONTIPP MEHLINGER HEIDE

BLÜHENDES HEIDEKRAUT

Von dem verschlafenen Dorf Mehlingen bei Kaiserslautern würden die wenigen Menschen Notiz nehmen, auch ist zu bezweifeln, ob es bei irgend jemandem zu erhöhtem Puls führen würde wenn es hieße:

Hey wir fahren dann mal in die Mehlinger Heide.

Wäre da nicht der alte Truppenübungsplatz am Ortsrand, der im Spätsommer zur Pilgerstätte der lokalen Landschaftsfotografen wird.

Denn zwischen Mitte August bis in den September hinein blüht dort das Heidekraut.

Mehlinger Heide

Mehlinger Heide und Spinnennetze – ©Raik Krotofil

Die Mehlinger Heide, das größte Heidegebiet außerhalb Norddeutschlands, wurde nach der Rückgabe der Streitkräfte erst 2001 zum Naturschutzgebiet erklärt. Davor wurde die Heide bereits im Ersten Weltkrieg als Truppenübungsplatz und darüber hinaus bis in die 1990 Jahre von den Französischen- und US- Streitkräften genutzt. Obwohl das Gelände wohl von Munitionsresten geräumt sein soll, ist das Betreten nur auf den Hauptwegen erlaubt.

Doch was macht diese Gegend nun für Landschaftsfotografen so reizvoll?

Das Heidekraut blüht im Spätsommer und strahlt mit seinem Lila-blau besonders reizvoll im Morgenlicht. Wenn der Sommernebel über der Heide schwebt, dann brechen im Gegenlicht gelb-rote Strahlen durch die Kiefern. Da wären wir auch schon bei den besten Bedingungen für die Heidefotografie: hohe Luftfeuchtigkeit die in den kühler werdenden Nächten kondensiert und Bodennebel bildet.

Mehlinger Heide

Mehlinger Heide – ©Raik Krotofil

Das Areal der Heidelandschaft wird durch die Autobahn A63 geteilt in einen westlichen und einen östlichen Teil. Der Teil im Westen ist etwas weitläufiger und weniger mit Bäumen bewachsen, das Gelände fällt nach Osten hin ab. Oft läuft der Bodennebel genau in diese Richtung bergab, das kann mitunter innerhalb von wenigen Minuten geschehen. Der Östlich Teil ist stärker mit Kiefern bewachsen. Dort gibt es eine Senke, an der sich oft zäher Nebel hält, während es ein paar Meter höher spürbar wärmer und klar ist. Vor einigen Jahren wurden leider alle Birken gefällt, zwischen dem Heidekraut liegen die damals sehr fotogenen Reste der abgeschnittenen Baumstämme, sehr schade.

Mehlinger Heide

Reste der Birken – ©Raik Krotofil

Ich brauchte insgesamt drei Besuche in der Heide, bis ich mit den Ergebnissen zufrieden war.

Im vergangenen Jahr waren die Wetterprognosen ideal, hohe Luftfeuchtigkeit=Nebel und wenig Bewölkung waren vorausgesagt. Doch wie so oft ist das private Zeitfenster für Fototouren nicht immer wetterkonform. So hatte ich beim ersten Besuch das Pech, dass der Nebel einfach zu hoch war und die Heide im Grau versank.

Mehlinger Heide

zäher Spätsommernebel – ©Raik Krotofil

Jetzt Mitte August hatte ich mehr Glück.
Die senile Bettflucht warf mich gegen kurz vor Vier aus dem Bett, knappe fünfzig Minuten Autofahrt warteten noch auf mich. Während ich in der Nautischen Dämmerung durch die Büsche strich, fielen mir auch gleich ein paar Bäume unter dem Sternenhimmel auf. Später stand ich dann weiter unten in einer Senke, wo sich Nebel gebildet hatte,  dieser veränderte sich dieser rapide. Eben noch von ihm umringt war er fünfzig Meter weiter gezogen. Später, nach Sonnenaufgang, suchte ich Bäume, durch die Lichtstrahlen im Nebel ein gelbes Licht auf den Boden malten. Der goldene Nebel über dem Heideboden fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Während die Lichtstrahlen auf dem Boden eine Märchenlandschaft zaubern, kann ich nicht genug bekommen. Immer wieder tun sich neue Motive auf, da heißt es hurtig sein. Die Musik auf meinen Ohren lässt mich in einer Leichtigkeit die Bilder einsammeln, als wenn ich Reife Pflaumen von dem Bäumen pflücke.

Gegen sieben Uhr stieg ich beglückt von der Schönheit der Natur und den sicheren Fotoschätzen auf meiner Speicherkarte ins Auto und machte mich auf den Heimweg. Schließlich wartete noch ein Frühstück auf mich sowie ein langer Arbeitstag.

So ein Trip vor der Arbeit ist schon anstrengend, da fährt man mal eben 160 km an einem Morgen, nur für ein paar Fotos. Doch das wohlige Gefühl im Bauch etwas erlebt zu haben belohnt, zu spüren, man ist noch am Leben, wenn die Heide süßlich riecht, wenn es still und entspannend ist, das alles kann man nicht kaufen.

Mehlinger Heide

wärmende Strahlen – ©Raik Krotofil

In diesem Jahr wurde das Erikakraut im feuchten Frühjahr von einem Schädling befallen. Dadurch ist im Westlichen Teil der Heide nur wenig von der Blütenpracht zu sehen, stattdessen reihen sich braune und vertrocknete Büsche aneinander. Doch hier westlich der Autobahn sind dafür die schöneren Spinnennetze zwischen dem Gebüsch, die im Morgentau silbern glänzen. Apropos Morgentau: wenn Ihr die Heide besuchen möchtet packt unbedingt gute Mikrofasertücher ein. Außer den Schuhen und Hosen sind nämlich von der hohen Luftfeuchtigkeit die Objektive und Filter innerhalb kürzester Zeit nass.

Mehlinger Heide

Spinnennetze überall – Mehlinger Heide – ©Raik Krotofil

Waldfotografie wie auch das Fotografieren in der Mehlinger Heide ist nicht ganz einfach. Man muss die Region abscannen, zerlegen, sezieren um einen geordneten Bildaufbau zu bekommen. Der Einsatz einer leichten Telebrennweite hilft, wesentliche Bildelemente gestalterisch zu komprimieren.

Zum Abschluss möchte ich Euch bitten, wenn Ihr in der Heide wart oder sonst wo durch die Büsche gestrichen seid, bitte sucht Euch danach nach Zecken ab. Mich hat eine in Mehlingen erwischt.

Mehlinger Heide - ©Raik Krotofil

Goldener Nebel über dem Heidekraut – ©Raik Krotofil

Mehlinger Heide

Mehlinger Heide und Sternenhimmel – ©Raik Krotofil

Mehlinger Heide

Die Westseite ist leider braun – Mehlinger Heide – ©Raik Krotofil

Mehlinger Heide - ©Raik Krotofil

Bäume im Gegenlicht – ©Raik Krotofil

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Tobias,
    na klar mache ich das.
    In Bad Dürkheim gibt es die Michaelskapelle, die kann man sehr gut zum Sonnenaufgang nehmen. Zwischen Wachenheim und Bad Dürkheim liegt das Kaffemühlchen, auch als Flaggenturm bekannt, geht ebenfalls in der Früh am besten. Die Wachtenburg geht gut von unten aus den Rebzeilen in der Blauen Stunde.
    Liebe Grüße
    Raik

  2. Hallo Raik,

    veräts du uns denn auch die Spots in der Nähe von Bad Dürkheim? Bin 2-3 mal im Jahr dort… lande jedochs meistens in einem Weingut und sehe nicht so viel von der Landschaft 😉

    Lieben Gruß
    Tobias

  3. Hallo Yvonne,
    wenn du auf Tiere stehst gibt es nicht weit weg von der Mehlinger Heide in Kaiserslautern den Wildpark Betzenberg; keine 15 Autominuten von der Heide entfernt.
    Für die Heideblüte must du bis nächstes Jahr warten; die ist so gut wie rum

    Grüße
    Rainer

  4. Hallo Yvonne,
    in der Region um Kaiserslautern rum bin ich jetzt nicht so firm. Aber in Richtung Bad Dürkheim gibts noch ein paar nette Sachen.
    Liebe Grüße
    Raik

  5. Hallo Raik, schöner Artikel und gleich ums Eck. Nachdem ich mir jetzt ein komplettes Filterset zugelegt habe, muss ich hier unbedingt mal hin zum Testen. Hast Du noch andere Tipps in dieser Region?

    Viele Grüße
    Yvonne

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