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NAMIBIA – WÜSTE UND DÜNEN – EINE RETROSPEKTIVE

Windhosen ziehen über das Land. Die Hitze flimmert über der Ebene und gemächlich traben Oryx-Antilopen über die leere Campsite. Wir sitzen unter einem Kameldornbaum im Schatten. Auf dem Alu-Tisch mit Leopardenkunstdruck-Tischdecke, vor uns ausgebreitet, die Ausrüstung, welche wir vom Sand des gestrigen Winds über der Elim Düne reinigen. Wir haben Zeit, Quatschen, Lachen und dösen ein wenig im Zelt, denn das Mittagslicht ist hart und die Nacht zuvor war sehr kurz.

Das ist nur ein kurzer Anriss eines Tagesabschnitts unserer Fotoreise nach Namibia.

Während ich diese Zeilen auf dem Beifahrersitz schreibe, rüttelt der „Defender“ über die Schotterpiste in Richtung Windhoek. Er war ein echter Beschützer und wir konnten uns in jeder Situation auf ihn verlassen. Natürlich gehört auch ein talentierter Fahrer dazu und beide haben selbst Tiefsandpisten mit Bravour gemeistert. Die Hitze filmmert und Staubwolken in der Ferne deuten an, dass ein Fahrzeug uns in wenigen Minuten einnebeln wird. Der Mund ist trocken und die Nase atmet den Staub.

Die Gedanken schweifen zurück und lassen unseren Trip Revue passieren.
Eine Fotoreise nach Namibia ist ein Erlebnis besonderer Couleur. Wer am Abend ein weiches Bett in der Junior Suite mit eisgekühltem Champagner im Kübel erwartet, wird hier wahrscheinlich nicht auf seine Kosten kommen. Wer mit einer Auszeit aus dem Hamsterrad des optimierten und glattgebügelten Alltags liebäugelt, schon: Die Kleidung staubig, das Zelt trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sandig dem steifen Wind, die Haut von der unbarmherzigen Sonne gereizt. Aber die Stimmung ist gut und eine große Gelassenheit greift Raum. Es ist keine Reise im Luxus. Ständig staubige Hände, Sand im Zelt und die Kleidung riecht nach dem Feuer des Abends. Es ist ein Trip für das Herz und den Kopf.
Und wenn die kalte Flasche „Savanna“ am Abend auf der Anhöhe in Solitaire in der Hand ruht, öffnet sich das Herz weit und umarmt das große, weite Land. Hier kann man noch Freiheit und Abenteuer mit dem schönsten Hobby der Welt verbinden.

Sesriem Canyon, Namibia, Sunrise

Sesriem Canyon im Morgenlicht @ Raik Krotofil

Der überwältigende Glanz des nächtlichen Sternenhimmels erinnert an längst vergangene Kindheitstage, in denen man den Kopf in den Himmel reckte und von der Zukunft träumte.

Mächtige Dünen, die in der fahlen Mittagshitze farblich eher Langeweile verströmen und unspannend erscheinen, entfalten im späten Licht ihre unfassbar schönen Formen und magischen Farben.

Der Ablauf eines typischen Tages von unserer letzten Fototour durch das südliche Afrika, kann wie ich es hier nun berichten werde, eintreffen. Eine Fotoreise in eine der trockensten, wärmsten und am wenigsten besiedelten Regionen unseres Planeten.

Der Erste Tag in Namibia startet mit der frühen Ankunft auf dem Internationalen Flughafen Hosea Kutako, der ungefähr 40 Kilometer von der Hauptstadt Windhoek entfernt liegt. Wir beladen unser Fahrzeug, einen Land Rover „Defender“. Der Local kennt im Grunde genommen nur zwei Typen von Fahrern – man ist entweder mit dem „Defender“ oder dem „Land Cruiser“ unterwegs.

Auf dem Weg nach Windhoek zieht die trockene Landschaft an uns vorbei und das goldene Gras verspricht Afrika pur. Nach dem Einchecken in unserer Unterkunft fahren wir gemeinsam in eine Shopping-Mall, um SIM-Karten zu kaufen und unsere persönlichen Vorräte im Supermarkt zu füllen. By the Way machen wir einen Stopp bei einem Ausrüster für Outdoor Artikel. Mein Afrikaherz hüpft vor Freude, die beste Safari-Kleidung gibt es hier. Oft ist es Arbeitskleidung, die praktisch und langlebig ist.

Am Nachmittag erholen wir uns von dem Nachtflug und beenden den Tag in „Joe´s Beerhouse“, einem angesagten Biergarten, bei einem Teller mit exotischem Gamesteak.

Mount Etjo, mit seinem riesigen Gelände, beschert uns am zweiten Tag gehobenen Komfort mitten im Nichts und üppige Tier-Sichtungen beim Abend-Gamedrive. Wir dürfen mitten in einer Gruppe von Elefantenkühen sein, die mit ihren Kälbern im letzten Licht der untergehenden Sonne verweilen. Die Stimmung ist friedlich, bis auf wenige Meter dürfen wir beobachten, wie die jungen Elefanten bei ihren Müttern säugen, während die Kühe sich mit Sand bewerfen. Das Ritual dient dazu, die Haut vor Sonne zu schützen. Oft kann man auch beobachten, wie Elefanten in Wasserlöchern baden und sich danach mit Sand bewerfen. Diese Schicht ist eine Kombination aus Sonnen- und Insektenschutz.

Die Wege in Namibia sind weit. Wir fahren am Tag drei von Mt. Etjo zur Spitzkoppe. Ein weiteres Highlight für Landschaftsfotografen erwartet uns. Zuvor stoppen wir in Omaruru, um die Lebensmittel für die zwei Tage Camping einzukaufen.

An der Spitzkoppe angekommen, errichten wir unser Camp. Es ist schwer in Worte zu fassen und die Aufzählung in einem Text kann das Gefühl schwer wiedergeben, aber wenn die Zelte stehen, die Stühle am Tisch ihren Platz haben, der schwarz emaillierte Wasserkessel auf dem Gaskocher steht und der Defender vor den roten Hügeln posiert, scheint sich alles zu einem großen Abenteuer in wilder Natur zusammenzufügen.

Die Infrastruktur hier ist rudimentär. Es gibt ein paar Open-Air-Duschen am Eingang des Areals und an jeder Campsite eine Blechhütte mit Plumps-WC. Aber ich empfinde das als Luxus. Denn die absolute Einfachheit, reduziert auf ein Zelt mit weicher Matratze, einem Holzfeuer mitten in der Wüste und der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel bietet uns die Möglichkeit zu erleben, wie sich Freiheit anfühlt. Dies ist in unserer heutigen, durchgetakteten und selbstoptimierten Technikwelt fast nicht mehr zu realisieren und eine Wohltat für die Seele.

Nachdem wir den vom Zelt aus sichtbaren Steinbogen zum Sonnenuntergang fotografiert haben, laufen wir zurück zum Camp. Das Feuer lodert bereits und wir grillen gemeinsam Steaks. Mit einem Windhoek Lager Beer sitzen wir um das Lagerfeuer und können die Menge an Sternen über uns nicht in Worte fassen.

Eine kurze Nacht wartet auf uns, denn bereits kurz nach drei Uhr laufen wir wieder die paar Meter zum Steinbogen, um ihn mit dieser unglaublich hellen und klaren Milchstraße in einem Foto zu vereinen. Die astronomische Dämmerung ist eine gute Stunde entfernt. Die uns umringende Stille scheint nicht von diesem Planeten zu sein. Ich war an diesem magischen Platz bereits einige Male, aber in diesem November ist das Areal der Spitzkoppe leer. Ich zähle in unserer Sichtweite einen „Hilux“ mit Dachzelt und in den zwei Tagen hier in Summe fünf Fahrzeuge.

Spitzkoppe Namibia Arch Milchstraße

Spitzkoppe Namibia @ Raik Krotofil

Nach dem Camping an der Spitzkoppe folgen zwei Tage in der Kühle am Meer. Bei maximalen 20°C am Tage zivilisieren wir uns in Swakopmund, was uns die Möglichkeit bietet, die Akkus zu laden und die Ausrüstung von Sand und Staub zu befreien. Einen Sonnenuntergang in den goldenen Dünen und ein Besuch am Wrack sind die Fotomotive dieser Tage.

Im Anschluss fahren wir eine lange Strecke in die Namib-Wüste. Runde sechs Stunden klappert der „Defender „über die staubigen Schotterpisten.

In Sesriem bauen wir wieder das Camp auf und besuchen die vielschichtig schimmernden Dünen in der Wüste. Ein Meer von Hügeln, Wellen und Bögen, geformt vom immer wehenden Wind. Die Restriktionen im staatlichen Camp hinsichtlich der Besuchsmöglichkeiten der Wüste sind streng, keine Chance auf Gnade und Abweichung vom Permit für German Photographers! Das Gate öffnet 45 Minuten vor Sonnenaufgang und schließt leider 30 Minuten nach Sonnenuntergang. Es gilt eine Strecke von 60 km asphaltierter Strecke ins Sossusvlei und zurück zu überwinden.

Wüste Namib Namibia

Wüste Namib im ersten Licht des Tages @ Raik Krotofil

Am Morgen starten wir somit gegen 05:00 Uhr hinaus in die Wüste, um gegen 07:00 Uhr wieder im Camp zu sein. Warum so kurz? Die Zeiten des attraktiven Lichts sind leider sehr kurz. Das Beste beste Licht herrscht 45 Minuten vor Sonnenaufgang und maximal 20 Minuten danach. Ab dann werden die Kontraste einfach zu groß, das Licht zu grell und die Farben saftlos. Die Temperaturen sind in der Morgendämmerung noch nahe angenehmen 15°C, um bereits zwei Stunden später weiter über die 30°C Marke zu steigen.

Dokumentation von unterwegs

Den Vormittag verbringen wir damit, der Körperpflege nachzugehen. Die Duschen und Toiletten hier sind üblich nach Campingstandard und absolut in Ordnung. Wir sichern Daten befreien die Ausrüstung vom Sand der Dünen. Danach dösen wir ein paar Stunden im Schatten unter dem Kameldornbaum im Zelt. Viel zu tun ist nicht in dieser Zeit, denn die Sonne steht einfach zu hoch und das Hitzeflimmern verspricht fotografischen Ausschuss. Gegen drei Uhr tuckern wir dann wieder raus in die Dünen. Die 60 km Asphaltdecke enden und unser Fahrer Gerhard ist konzentriert. Es gilt die letzten fünf Kilometer im Tiefsand zu durchfahren, ohne steckenzubleiben. Danach stapfen wir den letzten Kilometer zu Fuß ins Deadvlei. Die Dünen öffnen den Blick in die gleißend helle Lehmpfanne. Uns erwarten ockerfarbene Dünen. Davor stehen die vertrockneten Akazien mit ihren bizarren Formen.

Deadvlei Namibia Bäume

Deadvlei @ Raik Krotofil

Wir sind hier absolut allein. Die trockenen Bäume sind vermutlich um die 500 Jahre alt und zeugen von dem einst hier versiegten Tsauchab Fluss, der am Ende seiner Reise in der Wüste einfach versickert. Gelegentlich findet man hier nach der Regenzeit im Mai Wasser von starken Niederschlägen. Die Bäume leiden unter uns Menschen. Sie schafften es hier fast 500 Jahre, in der Trockenheit ohne uns zu stehenzubleiben. Doch dieses Naturschauspiel ist in Gefahr, weil sich gedanken- und rücksichtslose Menschen auf die Wurzeln und Äste zu setzen, um Selfies zu machen und ihre Namen in das Holz zu ritzen.

Deadvlei Namibia

Deadvlei am späten Nachmittag @ Raik Krotofil

Die Weite dieses Landes, seine Leere und Stille, sein Licht, seine Farben und Formen lassen mich bei jedem Fernsehbericht darüber im Herzen strahlen und haben mich mit dem Afrikavirus infiziert. Aber nichts geht über den starken Wunsch des eigenen Erlebens. Mein Organismus bildet dagegen keine Antikörper .

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