Die Insel Neufundlands, südlich von Labrador gelegen, wird von dem kanadischen Festland durch den Stank-Lorenz-Golf getrennt. Die Region zählt zu der Subarktis und ist geprägt vom Klima einerseits arktischer Luftmassen, andererseits vom abgekühlten Golfstrom. Es ist die östlichste Provinz Kanadas.
Neufundland ist flächenmäßig mit runden 110.000 km² mehr als doppelt so groß wie die Schweiz. Die Fahrstrecken sind weit. Man ist einfach sehr lange unterwegs, mehrere Fotospots an einem Abend abzuarbeiten ist fast nicht möglich.
Im Zeitraum zwischen April und Juni ziehen an der Nordküste Eisberge aus Grönland kommen auf der Iceberg Alley vorbei und stranden oft in den Buchten.

Diese wunderschönen Fragmente des Grönland-Eises entstehen beim Kalben der Gletscher. Sie werden mit der Strömung aus dem südlichen Grönland in den Norden über die Baffin Bay getrieben, um dann an der Küste Labradors wieder in Richtung Süden zu driften. Diese Reise kann zwischen zwei und drei Jahren dauern. Am Ende ihrer Reise ziehen sie an der Küste Neufundlands vorbei in südlicher Richtung oder finden ihr Ende in einer der Buchten. Das Meerwasser hat hier in dieser Zeit eine Temperatur zwischen 5°C und 7°C. Sind die Berge einmal in einer Bucht gelandet, ziehen sie nur noch langsam. Ihr Weg wird vom vorherrschenden Wind und der Strömung bestimmt. Im Laufe der Zeit brechen sie unter extrem lautem, dumpfen Knallen auseinander und schmelzen schließlich. Wenn man Glück hat, kann man kleine Eisbrocken aus dem Wasser fischen und sich an dem Gefühl der Kälte in der Hand und dem Geschmack tausend Jahre altem Gletschereises versuchen. Es schmeckt klar, wie frischer Schnee und pur nach Arktis.

Jedes Jahr hat seinen eignen Rhythmus. Die Eisberge kommen oft schon Ende April an die Küste. Das Wetter spielt für ihre Lebenszeit eine entscheidende Rolle.
So konnte ich im Jahr 2026 in Bonavista 2 große Eisberge über 3 Tage lang nahe des Hafens beobachten. In Twillingate war es auch ein großer Berg.
Im Jahr 2027 wiederum war die Anzahl der von Labrador südlich treibenden Eisberge viel geringer. Ein Grund dafür, dass wenige Eisberge die Küste erreichen konnten war der Umstand, das wärmeres Wasser in Richtung Norden geflossen ist. Dazu war der Frühling sehr verregnet. Einige der weissen Riesen waren nur draußen an der Küste, offshore, zu sehen.
Diese beiden Grafiken verdeutlichen die geringe Zahl und den zeitlichen Verlauf ihrer Position innerhalb von zehn Tagen.

Sie zu finden, ohne Vorwissen um die besten Plätze dafür, ist aussichtslos.
Die Locals tauschen sich über die Sichtungen in Facebook-Gruppen aus.
Das macht das Auffinden deutlich einfacher.
Meine Vision von Eisbergfotos ist es, landschaftliche Elemente wie Felsen, Bäume, Häuser in das Foto zu integrieren, um die Dimension in ein Verhältnis zu setzen.

Twillingate gilt als Eisberggarant. Natürlich kann man niemals vorhersagen, wie viele Eisberge in einer Saison auf Land treffen werden. Es passiert oft über Nacht, plötzlich tauchen am kommenden Tag Eisberge in einer der Buchten auf.
Meine Wünsche von Eisbergfotos mit Häusern, Felsen und Hügeln konnte ich in Twillingate erfüllen. Aus der Ferne sehe ich Eis schillern. Ein kurzen Check der Umgebung und Gegebenheiten leitet meine Standpunkt mit dem Stativ schnell und sicher. Hier muss ich stehen! Im Hintergrund liegt ein etwa 5-7 Meter hoher Eisberg, die Wolkenschichten am Horizont sind schön gefärbt.
Ich taste mich mit den Belichtungszeiten an das machbare Maß heran. Je länger der Verschluss offen bleibt, desto eleganter ruht das Eis auf dem glatten Ozean. Es gilt herauszufinden, ob das Eis nun auf Grund liegt oder sich doch bewegt. Denn oft schwimmen diese tonnenschweren Riesen und tanzen fast unsichtbar im Ozean. Maximale Belichtungszeiten von drei Sekunden gelten als gute Regel.
Nachdem ich meine Fotos mit Freude im Herzen gemacht habe denke ich mir noch, da fahre ich kurz rüber. In der gegenüberliegenden Bucht kann ich dann mit dem Weitwinkel-Objektiv schön den Vordergrund einbeziehen.
Als ich nun da drüben stehe bin ich überrascht. Die Brennweite von 400mm am Kleinbild hat die Kulissen so sehr verdichtet, dass ich die Distanzen zum Eisberg falsch eingeschätzt habe. Als ich mit der Drohne raus fliege, um näher an das alte Eis heranzukommen zeigt sich, dass die Entfernungsskale an der Fernbedienung 980m zählt.

Überhaupt sind Aufnahmen mit der Drohne eine andere Dimension. Erst von hier oben kann man hinunter ins Wasser sehen und die sprichwörtliche Spitze des Eisberges und die unter Wasser befindliche, weitaus größere, Eismasse erkennen. In einer Filmsequenz habe ich erst am Rechner feststellen können, dass in der Flachwasserzone an der Eisbergbasis ein Blauhai schwimmt.
Das Verhalten erklärt sich mir, da ich auf weiteren Fotos gesehen habe, dass Robben gern auf dem flachen Eis liegen und diese Zone perfekt zur Jagd taugt.
Wer nach Neufundland kommt um Eisberge zu sehen kann sich ebenfalls an der Brut der Papageientaucher erfreuen. So volatil die Bedingungen für die Eisberge sind, so differenziert ist auch das Eintreffen der Puffins.











