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GEFANGEN ZWISCHEN MOTIVPANIK UND MOTIVSTARRE

Fotografie sollte uns entspannen, uns Spaß machen und aus dem Alltag in die wahre Welt da draußen transferieren.

Hobby und Freizeitinteressen pflegen wir, weil wir darin Erfüllung finden. Da macht es wenig Spaß, im Stress gefangen zu sein.

DIE MOTIVPANIK

Jeder von uns, der mit der Fotografie begonnen hat, kann sich wahrscheinlich darin wiederfinden. Es ist die Panik am Fotospot etwas zu verpassen.

Die Panik beginnt damit, seinen eigenen Standpunkt zu finden. Alles vor Ort überfrachtet einen. Berge, Bäche, Meer, Strand, Felsen, Brandung. Was soll ich in mein Bild nehmen?

Die Motivpanik führt dazu, dass wir schnell unser Equipment aufbauen aus der Angst heraus, nicht schnell genug fertig zu werden. Dieser Zeitdruck führt zu ungenauer Arbeit. Vielleicht fällt vor lauter Hektik ein Adapterring runter und kullert fröhlich klappernd die Klippen hinunter. Oder das Stativ wird schräg aufgestellt, so dass die erste zarte Windböe alles umwirft.

Alle diese Hektik führt zu Materialverlusten. Auch mir sind diese Dinge nur zu gut vertraut.

Ein weiteres Symptom der Motivpanik ist die ungenaue Arbeit bei der Bildkomposition. Man achtet nicht genau auf den Horizont, schneidet unbewusst bildwichtige Elemente an. Aus Bequemlichkeit wird die Bildkomposition am Live View gemacht. Die helle Umgebung überstrahlt das Dargestellte am Display. Informationselemente für Fokus, Histogramm usw. verstecken dahinter angeschnittene Bildbereiche.

Die Motivpanik wird oft von der Filterpanik begleitet.

Welchen Filter nehme ich?

Soweit nun die Beschreibung der Symptomatik. Die Therapie ist ganz einfach!

  • Lass dir Zeit. 
  • Lass dir Zeit.
  • Beobachte vorher alle Dinge an der Location genau.
  • Überlege, welche Elemente denn überhaupt und dann wie in deinem Bild angeordnet werden sollen.
  • Komposition geht vor Technik.
  • Vergiss Filter, vergiss Blende, ISO, Zeit und Fokus.
  • Kümmere dich mit Hingabe um deinem Bildaufbau.
  • Alle Technik kommt nach einer erfolgreichen, überlegten und gelungenen Bildkomposition.
  • Ein gutes Bild pro Loacation ist viel wichtiger, als zehn schlechte.

Ist einmal die Motivpanik überwunden droht eine Infektion mit der Motivstarre.

DIE MOTIVSTARRE

Sie folgt aus Unsicherheit und Angst heraus, all das eingestellte und aufgebaute Equipment zu verändern. Motivstarre bedeutet, bloß nicht diesen Standpunkt verlassen.

Grundsätzlich ist daran nichts schlechtes. Geduld wird oft belohnt. Beobachte genau, was vor sich geht. Wie rollen die Wellen an, welche Dynamik haben sie, wo brechen sie sich. Wie fällt das Licht, wie kann es in zehn Minuten aussehen.

Madeira Faial

Mache in Ruhe dein Foto.

Und jetzt kommt der entscheidende Schritt: hast du ein Foto, welches dich umhaut, welches dir ein breites Grinsen auf die Backen zaubert und du stolz und glücklich bist, dann verlass die Motivstarre und zieh an deinem Fotospot weiter.

Es bringt dir wenig, wenn du einen Abend lang an ein und demselben Standpunkt verharrst und mit siebzig Bildern auf der Karte zurückkommst.

Siebzig Bilder, die irgendwie alle gleich aussehen, außer dem Licht, welches sich geändert hat. Du wirst kaum eine Entscheidung treffen können, welches denn nun das „Foto des Abends“ geworden ist.

Überwinde Motivpanik mir Ruhe und Gelassenheit.

Lass dich nicht von der Motivstarre daran hindern, weitere Motive an deinem Fotospot zu erkunden.

Raik

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