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STREETFOTOGRAFIE PARADIES TOKIO

Blogbeitrag zum STREETFOTOGRAFIE PARADIES TOKIO

Japan ist:

„e i g e n a r t i g“.

Was für ein seltsames Wort. Immer wenn ich es höre, assoziiere ich Seltsamkeit damit. Etwas, das so andersartig ist, dass es ein Gefühl leichter Irritation auslöst.

So als würde man beim Anblick eines etwas kauzigen, derangierten Seniors aussprechen, dass er irgendwie „verquer“ oder gar komisch ist.

So meine ich das aber nicht!

In Japan ist alles anders. Die Art, wie es baut, wie es den öffentlichen Raum denkt, die Art, wie es Probleme angeht und vor allem wie es Schönheit definiert.

Das geradlinig Schlichte hat Ähnlichkeit mit der skandinavischen Schule, es ist aber keine Kopie davon!

Es ist in seiner Art eigenständig, diese Eigenständigkeit ist in seinem Wesenskern dann wiederum japanisch.

Und dann ist da noch diese andere Sache: die Schlichtheit.

Auf meinen Streifzügen durch Tokio ist mir immer wieder aufgefallen, dass viele architektonische Details – klare Linien, zurückhaltende Materialien, das Spiel mit Licht und Leere – auf den ersten Blick an skandinavische Designsprache erinnern.

An das, was wir aus Stockholm oder Kopenhagen kennen. Diese Reduktion auf das Wesentliche.

Die Abwesenheit von Übertreibung, die Designsprache ist leise und zurückhaltend hier.

Der japanische Chic ist aber keine billige Kopie westlicher Ästhetik, man äfft hier nicht etwas nach, was man in letzter Konsequenz nicht verstanden hat.

Es fühlt sich nicht an, als hätte man japanische Architektur mit nordischem Minimalismus gekreuzt. es ist einfach anders.

Ähnlich – aber anders auf eine japanische Art.

Skandinavisches Design denkt von der Funktionalität her, von der Helligkeit, vom Ansehnlichen.

Die japanische Schlichtheit dagegen scheint aus einer anderen Wurzel zu kommen:
Aus einer Ästhetik der Vergänglichkeit.

Mich fasziniert die Bescheidenheit vor dem Material, die Achtung vor dem, was nicht gesagt oder nicht verbaut wird. Es ist nicht weniger schön – aber es ist auf eine Weise schön, die sich nicht erklären, aber bestens fühlen lässt.

Nun zumindest klappt es bei mir mit dem „Fühlen“ dieser Japan-Ästhetik.

Schon beim ersten Spaziergang durch Tokio wird einem als westeuropäischem Betrachter klar: Diese Stadt funktioniert nach einer eigenen Logik. Besonders die älteren Bauten – sie sind nicht glatt, nicht perfekt. Sie haben Texturen, eine Patina, die wie eine zweite Haut wirkt. Und diese Patina ist nicht Zeichen von Verfall, sondern von Würde.

Für mich zumindest ist sie das ganz gewiss.

Diese Fassaden erzählen von Vergänglichkeit, von Wetter, von Leben, Hoffen und Bangen Ich empfinde derlei Dinge als schön.

[ e v e r g r e e n ] ©serdar ugurlu 2026
[ e v e r g r e e n ] ©serdar ugurlu 2026
Aber es ist nicht nur die Architektur.
Es sind die Seelen, die hier leben!

Was mich wirklich nachhaltig beeindruckt hat in Tokio, ist die Art des Miteinanders.

Hier hält sich niemand um der Regel willen an Regeln. Es gibt kein blindes Befolgen. Sondern eine stille Übereinkunft:

Diese Regel hier – sie hat einen Zweck. Sie ermöglicht uns, dass wir alle nebeneinander existieren können, ohne uns gegenseitig über die Maßen zu beschneiden.

Der Einzelne tritt einen Schritt zurück, er tut das für das Große und Ganze, die Gemeinschaft.
The Royal We if you will…

Es geht um Respekt vor seinen Mitmenschen!

Ich will hier betonen, dass man Respekt vor seinen Mitmenschen offenbart, nicht nur vor seinen japanischen Landsleuten!

Respekt ist hier meinem Empfinden nach nicht irgendeine leere Floskel, sondern eine gelebte Haltung!

Man merkt das an tausend kleinen Dingen.

Wie Menschen warten, wie sie Platz machen, wie sie sich verabschieden. Wie leise es in vollen Zügen sein kann. Wie selbstverständlich Rücksicht genommen wird.
Wie man sich in die Augen schaut bevor man sich vor dem gegenüber verbeugt.

Und dieses Gefühl – Ich mag es!
Es erinnert mich daran das es schön ist wenn man wahr genommen und wertgeschätzt wird.

Hier spürt man: Diese Gesellschaft hat den Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Nicht unbedingt das Individuum mit seinen Sonderwünschen. Sondern den Menschen als beseeltes metaphysisches Wesen.
Als Wesen mit Gefühlen, mit Bedürfnissen, mit Verletzlichkeit. Als jemanden, der Respekt verdient – nicht, weil er etwas leistet, sondern weil er Mitmensch ist.

Tokio ist e i g e n a r t i g.
Und das ist eben g r o ß a r t i g.

WARUM ICH IN MEINER STREETFOTOGRAFIE GERNE MIT LEICHTEM EQUIPMENT ARBEITE

In der Streetfotografie mag ich es, mich beim Erleben und Erkunden einer für mich neuen Stadt mit der Kamera in der Hand treiben zu lassen.
Sprichwörtlich Unbelastet und unbeschwert.

Denn nur dann kann ich mich mit Haut und Haaren und maximal fokussiert dem Gesehenen hingeben. Wenn mich etwas anspricht oder mir gefällt, nehme ich es mit.

Ohne etwas aus einer Tasche oder gar einem Rucksack herausholen zu müssen.

Ich bin auf diese Art und Weise im Moment, im Hier und im Jetzt. Der Weg vom Auge zum Herzen und von dort zum Auslösefinger soll kurz sein.

[ c r o s s r o a d ] ©serdar ugurlu 2026
[ c r o s s r o a d ] ©serdar ugurlu 2026
Ohne schweres Gepäck kann ich mich freier in dicht gepackten U-Bahnwagen bewegen, ohne Angst davor haben zu müssen, dass ich jemanden mit dem Rucksack störe.

Ich komme besser in enge Räume oder Restaurants hinein und wieder hinaus.

Ich kann sehr viel schneller reagieren und vor allem kann ich mit der kleinen Kamera sehr viel näher an die Menschen heran, wenn ich es denn will. Ich falle eben nicht sofort als Nerdfotograf auf.

Man nimmt mich eher als einen Knipser wahr denn als einen Fotografen. Das macht wirklich einen Unterschied.

[ w a i t w h a t ? ] ©serdar ugurlu 2026
[ w a i t w h a t ? ] ©serdar ugurlu 2026
Denn wenn ich mit meiner Vollformatkamera und einem fetten 24–70er-Zoom bewaffnet durch die Straßen, Cafés und Geschäfte tigere, zieht das stets die Blicke auf sich und das verändert die Atmosphäre am Ort immer derart, dass es schwerfällt, Fotos mitzunehmen, die ein „mittendrin und nicht nur dabei“ vermitteln.

RICOH GR3x IN DER PRAXIS

Diese Kamera hat es geschafft, sich innerhalb der kürzesten Zeit in mein Herz zu bohren, und das ist etwas, das mich wirklich ein ums andere Mal überrascht.

Denn bei näherer Betrachtung ist diese kleine, kompakte „Point-and-Shoot“-Kamera die absolute Antithese zu meiner geliebten Pentax K–1 und sogar der Olympus OM–1.

Das Ding wird einhändig bedient, und das funktioniert wirklich blendend! Alles ist so designt, dass alle notwendigen Einstellungen für ein gutes Foto schnell und unkompliziert mit nur einer Hand vorgenommen werden können.

Das habe ich so nicht für möglich gehalten!

Die Kamera hat ein sehr zurückhaltendes, leises, aber sehr wertiges minimalistisches Design.

Sie sieht aus wie eine Knipse, sie sieht aus wie eine Kamera, die ein unbedarfter Vollbluttourist dabei hat.

Und das führt dazu, dass die Leute das Ding gar nicht richtig registrieren, selbst wenn sie mich bemerken.

[ x m a n ] ©serdar ugurlu 2026
[ x m a n ] ©serdar ugurlu 2026
Meistens tun sie das aber nicht, und das macht die Sache so unglaublich unbeschwert.

Ich liebe das!!

Die Fotos, die das Ding produziert, sind so scharf und kontrastreich, dass es eine Freude ist, sie anzuschauen.

Und der eingebaute Spitzlichdiffusorfilter macht alles wunderbar weich, ohne dass der Schärfeverlust stört.

Die Fotos wirken runder, weniger harsch und weniger klinisch-kalt.

Ein Großteil der Fotos während dieser Tour ist mit dem guten kleinen Stück Technik entstanden.

Und das Beste:

Die Schultern haben es mir gedankt.

Keine Rückenschmerzen nach einem langen Fototag.

Herrlich.

Im Folgenden präsentiere ich euch ein paar Fotos, die ich als zeigens- und teilenswert erachte.

GLG

der Serdar

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