Ist die Z8 eine Kamera für beides?
Wer mich kennt, der weiß, wie lange ich mich gegen spiegellose Kameratechnik gewährt habe.
Vielleicht werden euch noch meine Worte in den Ohren hallen: „Eine Spiegellose Kamera kommt mir nicht aufs Stativ. Wenn ich mal zu Geld komme, dann wird es eine Nikon Z9.“
Die Zeiten ändern sich und somit auch das Denken. Ich war viele Jahre, und bin es heute noch, ein überzeugter Verfechter der Spiegelreflex Technologie. Der visuellen Qualität eines optischen Suchers kann kein digitales Display das Wasser reichen.
Doch was hat mich nun dazu bewogen? Warum soll ich zu spiegellos wechseln?
Fangen wir mal damit an, dass ich nicht gewechselt bin. Vielmehr habe ich meine Ausrüstung um ein Zweitsystem erweitert. Klingt das dekadent? Nein.
Ein Hauptbeweggrund dafür ist meine Passion zur Tierfotografie. Seit vielen Jahren liebe ich es, wilde Tiere im südlichen Afrika zu fotografieren.

Permanent bin ich dabei mit meiner Pentax Ausrüstung an technische Grenzen gestoßen. Die Grenzen versuchte ich mit andere Objektiven zu überwinden. Technik macht keine guten Fotos.
Dabei habe mich über trägen Autofokus, versemmeltem Fokus und schlechter AF Nachführung geärgert.
Nun kann man das hinnehmen oder eben lösungsorientiert denken. Ich gebe viel Geld für meine Flüge, Mietwagen und Unterkünfte aus um am Ende mit unbefriedigenden Ergebnissen die Heimreise anzutreten. Ich denke nicht in dieser Weise.
Ein Lösungsansatz war der Kauf einer Canon R6 plus EF 100-400MM F/4.5-5.6L IS II USM. Das war schon mal eine Landung auf dem Mars. Lichtjahre in der Bildausbeute hinsichtlich technischem Ausschuss.
Nun sieht es so aus, dass wir, meine Partnerin und ich, uns auf Afrikareisen die Canon R6 teilen.
Das führt auf beiden Seiten zu Frust. Als Gentleman überlasse ich der Dame das Schmuckstück und quäle mich weiter mit der Pentax Ausrüstung.
Die Krönung und der absolute Kipppunkt war eine Sichtung von braunen Hyänen in Botswana. Mit meiner K-1 und dem 300mm Objektiv hatte ich nahezu 50% Fehlfokus. Das Erlebnis meines Lebens und der Grund des Aufenthalts wandelte sich in 50% Asche.

Dazu kam, dass eine Teilnehmerin auf dieser gemeinsamen Afrikareise eine Nikon Z8 nebst dem Nikon NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR als Ausrüstung hatte.
Ich durfte das Equipment ausprobieren und war sofort schockverliebt; natürlich in die Kamera 😀.
Wir Fotografen sind gerne in neues Equipment schockverliebt. Kommt es dann zur Preisansage verstummen wir meistens.
Doch am Ende hilft nur Horses for Causes.
Der Schmerz über das Loch im Geldbeutel weicht schnell der Freude beim Fotografieren und den besseren Ergebnissen. Die Pein ist dann vergessen.
Mit der Z8 in Neufundland
Auf meiner kommenden Fotoreise wollte ich mit der Z8 ein Teil der Aufnahmen machen. Hauptsujet sollten die Puffins (Papageientaucher) sein.
Da ich aber auch gerne auf meinen Reisen filme, ist die Z8 dafür ideal. Doch allein das Teleobjektiv ist dafür zu lang. So besorgte ich mir noch schnell ein Weitwinkel. Das Tamron 16-30mm f/2.8 Di III VXD G2 flog mit nach Neufundland.
Die Pentax ist und bleibt mein Landscape-Baby! Die Gründe dafür werde ich am Ende zusammenfassen.
Doch der Rucksack war schwer wie Blei und so ließ ich das PENTAX-D FA 15-30mm f/2.8 daheim. Welch eine Gewichtsersparnis.
Mein Setup
Mich begeistert die Vielseitigkeit der Individualisierungs-Möglichkeiten an der Z8. Das Konzept der Shooting-Banks ist für meine Anwendungsszenarien ein Segen.
Ich habe für mich im Foto-Modus Shootingbank A als Wildlife umbenannt und auf der Info-Taste wie folgt belegt:
- Bildfolge: 10
- Displayhelligkeit
- Lautlos-Modus
- Af- Messfeldsteuerung
- AF-C
- SDR
- Stabilisierung an Sport
- Qualität RAW
- Speicherkarten-Auswahl
Menüfunktionen:
- Dateiname RKW…. (W=Wildlife)
- 3D Tracking
- Tiererkennung-Vögel

Allein schon der Umstand, dass Einstellungen im Menü in einer Shootingbank mit abgespeichert werden, ist ein großer Pluspunkt.
Shootingbank B – Landscape
- Bildfolge: 10
- Displayhelligkeit
- Lautlos-Modus
- Af- Messfeldsteuerung
- AF-S
- SDR
- Stabilisierung aus
- Qualität RAW (volle Auflösung)
- Speicherkarten-Auswahl
Da werfe ich schnell ein Nervpunkt hinein. Denn es lässt sich nicht unabhängig voneinander die Bildfrequenz in verschiedenen Banks absichern. Will sagen: 10 Fotos p. Sekunde oder Selbstauslöser lassen sich nicht in getrennten Shootigbanks abspeichern. Dieser Sinn erschließt sich mir nicht!
Menüfunktionen:
Dateiname RKL…. (L=Landscape)
Die Display-Taste ist belegt mit Funktionen für verschiedenen Anzeigemodi, darunter auch Live Histogramm.
Tastenbelegungen
Die Video-Aufnahmetaste ist in Shootingbank A mit einer genialen Funktion belegt.
Recall Shooting Function.
Für den Fall, dass ich eine Belichtungskorrektur für fliegende Vögel gegen den Himmel brauche, habe ich die Taste so belegt, das beim Drücken an, die Korrektur + 1EV aktiv ist. Nochmaliges Drücken deaktiviert die Belichtungskorrektur wieder. Das ermöglicht blitzschnelles Arbeiten bei der Vogelfotografie.
Die Funktionstasten sind wie folgt belegt:
- Schlüssel – Displayaufhellung STAR
- AF-ON – Backbutton AF (Auslöser dient nur dem Auslösen)
- Fn1– Auto ISO an/aus
- Fn2– Fokus Peaking (Konturfilter gelb) an/aus
Technik macht keine guten Fotos, aber sie hilft dir, sie zu machen!

On Location
Ich komme nun am Puffin-Felsen in Neufundland an und orientiere mich. Plötzlich huscht ein Fuchs auf der Suche nach Nestern durch das Gras.
Ich nehme reflexartig die Kamera ans Auge, die Shootingbank A ist bereits voreingestellt. Der Fuchs läuft schnell und ich ziehe einfach die Brennweite an und folge ihm mit der Kamera. Serienbild, Feuer frei, den Rest macht die Z8 zuverlässig. Sie tut was sie soll, mir die Arbeit erleichtern. Keine zwei Minuten später ist der Fuchs verschwunden und ich weiss nicht mal, ob das was geworden ist. Später, beim Sichten der Fotos am MacBook bin ich happy, so viele, naja für meine Verhältnisse, erstklassige Fotos bekommen zu haben. Whow!

Die Puffins wackeln und flattern auf dem Felsen rum. Ich liege auf dem Bauch im Gras und kann genüsslich die Tiere beobachten und meine Aufnahmen machen. Dazwischen switche ich in den Videomodus und wieder zurück. Es ist ein Fest damit zu arbeiten.
Ich gebe zu, ich habe gute zwei Wochen gebraucht mich einzufühlen, die Kamera zu verstehen und alle Menüpunkte für mich anzupassen.






Rehe im Sommer zur Blattzeit
Rehe in der Natur zu Fotografieren ist eine ganz andere Nummer, als in Afrika auf einem Gamedrive. Bei letzterem kommt man per Fahrzeug schon recht nah an die Tiere ran. Das Fluchtverhalten ist nicht besonders ausgeprägt.
Anders verhält es sich in meiner Heimat. Die Tiere sind sehr scheu, erschrecken schnell und gute Fotos zu bekommen ist oft mit Glück verbunden.
Am Tag des WM-Finales laufe ich ab Abend mit meinem Hund durch die Weinberge. Da liegen sie, völlig unerschrocken in den Rebzeilen. Rehe im besten Abendlicht. Ich muss entscheiden, ob ich mir ein langweiliges WM-Finale ansehen will oder schnell das Fahrrad schnappe und nochmal hier her fahre.
Eins hat mich meine jahrelange Erfahrung in der Fotografie gelehrt. Mach es jetzt. Wenn der Bauch sagt, es ist aussergewöhnlich, denn Morgen geht es nicht mehr.
Und tatsächlich brauche ich mich nur langsam im Gras an die Rebzeilen robben und ich kann ohne Stress Rehe fotografieren.
Sie sehen mich, ich sehe sie. Im Gegenlicht hat der Augen-Autofokus ein paar Schwierigkeiten, meistert die Situation jedoch gekonnt.
Wenn nichts geht, hilft mir wieder manuelles Fokussieren mittels Fokus Peaking. Die Kamera macht mir so viel Spaß.



Aber auch Landschaft geht damit
Der Morgen verspricht am Abend zuvor, vielversprechend zu werden. Ein Wolkenband zieht von Westen heran und es könnte einen Spalt am Osthorizont frei bleiben. So geschieht es auch. Die Sonne leuchtet in den subpolaren Morgenhimmel und taucht alles in wahnsinnig schöne Farben.
Die Z8 habe ich mit meinem Haida M15 Filterhalter ausgestattet und stehe wie üblich an der Wasserkante und mache routiniert meine Fotos. Das Fokuspeaking mit gelber Farbe hilft mir sicher die Schärfe zu setzen. Der Dynamikumfang ist wie bei Pentax, gute 14 Blendenstufen, allerdings schon bei ISO 64. Alles also top. Die Farben sind schön, gerade die sauberen Farbabstufungen der Gelbtöne in den Lichtern mag ich sehr. Bildrauschen, was ist das?
Die etwas in die Jahre gekommene Pentax K-1 kommt zum Einsatz, wenn Brennweiten ab 30-70mm gefragt sind.

Bei den Gämsen im Elsass
Mit der Landschaftsfotografie bin ich in Harmonie und die ist in Fleisch und Blut. Ich möchte mich jetzt weiterentwickeln, neue Gebiete erkunden, wieder Neugierig sein, Fehler machen, daraus lernen. Werde ich in Zukunft in Flecktarn im Tarnzelt sitzen? Glaube eher nicht. Dazu fehlt mir die Geduld.
Ich entdecke die Möglichkeiten der Tierfotografie immer weiter. Erst war ich bei einer Kolonie Bienenfresser, jetzt will ich Gämsen sehen.

Die Location ist digital gesoutet. Mit Kamera und Stativ laufe ich am späten Abend hinauf, auf die Anhöhen der Vogesen. Nach dem Ausprobieren einiger Standpunkte kommen die Tiere um die Zeit des Sonnenuntergangs aus den Wäldern hoch in die Steilwände. Licht ist kaum mehr vorhanden. Das ist der Z8 aber egal. Zuverlässig, mit der Präzision eines Chirurgen, sitzt der Autofokus auf den Tieren. Die Kontraste und Farben werden zu tonalem Brei. Auch das meistert der Autofokus hervorragend. So ermöglicht mir einerseits das Arbeiten auf dem Stativ längere Verschlusszeiten und die High-ISO Performance der Kamera immer noch respektable Bildergebnissen.

Am Kommenden Morgen, du willst nicht wissen wie früh ich losgelaufen bin, sehe ich wieder eine Gruppe Gämsen in den Steilwänden. Geißen mit Jungtieren, die spielend auf den engen Felsen kämpfen. Alle Tiere sind weit entfernt, ich muss permanent mit 600mm Brennweite arbeiten.
Später gelingt es mir, einer Gams im goldenen Morgenlicht etwas näher zu kommen.
Da die Gams im dichten Gras steht, ist der Autofokus natürlich überfordert.
Das manuelle Fokussieren im hellen Sucherbild der Z8 funktioniert präzise, mit Fokuspeaking und ohne. Der verbindlich laufende Fokusring am 180-600 liefert immer ein gutes Feedback.





Wie du nun siehts, besticht die Nikon Z8 in meinen Augen in beiden Sujets, der Tier- und Landschaftsfotografie. Ebenso das Filmen ist technisch wie bei der Canon R6 und führt sicher zu verlässlichen Ergebnissen.
Sie ist für mich zu einem Präzisionswerkzeug geworden. Sie ist im Zusammenspiel mit dem Nikkor 180-600 ein Scharfschützengewehr.
Perfektion ist, wenn die Technik und der Fotograf zusammen gute Fotos machen.
Was unterscheidet sie nun in meinen Augen von der Pentax K-1?
Folgende Vorteile sehe ich für mich:
Nikon Z8
Bildkontrolle in hellem Umgebungslicht über den Sucher möglich.
Unfassbare Aufofokus-Qualitäten.
Hybride Möglichkeit von Fotografieren und Filmen.
Individualisierung der Kamera an den Fotografen und seine Bedürfnisse.
Sicherung der Menüeinstellungen auf der SD-Karte.
Niedrige Base ISO 64 ermöglicht mehr Varianzen bei Langzeitbelichtungen.
Welche Nachteile erkenne ich:
Kein eingebautes GPS. Warum schafft es kein Hersteller (Ausnahme die Nikon Z9 und Canon R1) ein GPS Modul einzubauen. Pentax hat das bereits mit der K-1 im Jahr 2016 etabliert, bei einem Marktpreis von um die €2.000,-
Leider keine Anzeige auf dem Display als Countdown bei Langzeitbelichtungen.
Live-View kein RGB Histogramm.
Foto-Modus Live-View Histogramm nicht in der Größe anpassbar, sondern sehr klein.
Kein Zebramuster/ Überbelichtungswarnung im Live-View Foto-Modus. Im Video-Modus verfügbar.
Das Display ist für Selfi-Videos nicht klappbar.
Wobei ich eine Lanze für die Konnektivität der Nikon App SnapBridge brechen muss. Das ist die erste App, die zuverlässig funktioniert. Das sich selbst vor die Kamera stellen und Interviews filmen, nebst Schärfe setzen, funktioniert tadellos. Bei Canon bricht die Verbindung ab oder das Bild friert kurzzeitig ein.



Warum behalte ich nun die Pentax K-1?
Beide Kameras unterscheiden sich in der Bildqualität, außer dem Unterschied der Auflösung, kaum.
Die K-1 hat als Gamechanger eine integrierte HDR-Funktion die am Ende ein RAW-File ausgibt.
GPS-Modul mit integriertem Astrotracer.
Objektivpark ist eingerichtet.
Sensationelles Klapp-und Schwenkdisplay.
Die K-1 ist meine Kamera, wenn ich Landschaften fotografiere, Langzeitbelichtungen mache und wie beim Kochen, den Prozess genießen will.
Das Schlusswort hält diese Galerie aus Neufundland 2026, die Pentax kommt zu Wort.
Möge das Licht mit euch sein,
Raik














