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NAMIBIA – FÜR FOTOGRAFEN DER HIMMEL AUF ERDEN

NAMIBIA – FÜR FOTOGRAFEN DER HIMMEL AUF ERDEN

Namibia, als ich unwissender diese sieben Buchstaben hörte, war mir wahrlich nicht bewusst, das Namibia ein Land der Farben, Formen und Geräusche ist. Doch je mehr ich damit befasst hatte, was mich auf einer Reise dahin erwarten kann, desto mehr loderte die Flamme in mir, das unbedingt erleben zu wollen.

Die Flüge waren gebucht, der Mietwagen in Form eines Toyota Hilux 4×4 Double Cab mit Dachzelt und Campingausrüstung ebenfalls und es galt die Reiseroute so zu organisieren, dass die Tageskilometer in dem vertretbaren Maß einer Urlaubsreise bleiben.

Namibia ist groß, die Entfernungen zwischen den sehenswerten Orte sind es ebenfalls. Als ich die Routenplanung übernahm ahnte ich bereits, dass die in Google Maps angegebenen Entfernungen sich in der dort angegebenen Zeit sicherlich nicht fahren lassen. Ein großer Teil der Straßen sind eben glatt gezogene Schotterpisten. Die Empfehlung der Autovermieter geht zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h und viel schneller geht es oft gar nicht. Denn die Schotterpisten sind mit Schlaglöchern übersehen und im schlimmsten Fall quer zu Fahrbahn wellig. 

So brauchte ich vom Flughafen in Windhoek, mit Zwischenstopp in Solitaire, bis zur Einfahrt in den Namib-Naukluft-Park runde 7 Stunden Fahrzeit. (dabei sind natürlich die kleinen Pippi-Stopps und die kurzen Stops für die drive by Shots.)

Die Wüste

Namibias Landschaft ist besonders im südlicheren Teil Wüste und Savanne. Im Osten die Kalahari, im Westen flankiert die Namib den Atlantik.

Und genau das war mein Traum, die Namib. Die älteste Wüste unseres Planeten, mit den höchsten Wanderdünen, im späten Licht zu fotografieren, davon träumte ich, seit ich mich mit Dünen und vor allem Namibia genauer beschäftigt hatte.

Schon von weitem ist bei der Anfahrt über die Ebene der Namib ein rötlicher Schimmer am Westhorizont auszumachen. Genau da will ich hin!

Am Tor zum Sesriem Campingplatz empfing mich die erste Überraschung. Mit den Worten “you are flat, do you have a spare tire?” wurde ich am Gate empfangen. Währen der Fahrt spürte und hörte ich davon nichts. Ich schätze, es war ein schleichender Plattfuß. Eine Namibia Reise ohne Platten zu überstehen, grenzt an ein Wunder. Die spitzen Steine, die Dornen der Büsche und der gummifressende Schotter sind dafür verantwortlich.

Die erste Nacht wollte ich unbedingt in der komfortablen Sossus-Dune-Lodge verbringen. Warum? Mir war zwar die Situation mit dem Passieren der Gates am Eingang einigermaßen vertraut, ich wollte aber auf Nummer Sicher gehen, damit ich jede Minute der kostbaren Zeit des goldenen Lichts nutzen kann. Ein mal hier sein, also keine Kompromisse, koste es, was es wolle!

Zu den Gates. Der Namib-Naukluft-Park ist ein Nationalpark. Wer vor den Toren des Parks nächtigt, darf erst mit dem öffnen der Haupttore ZUM Sonnenaufgang hineinfahren und muss ZUM Sonnenuntergang wieder draußen sein. Nee ihr lieben, nicht mit mir. Hinter dem Haupttor befindet sich die Seriem Campsite und etwas weiter die Sossus-Dune-Lodge. Gäste beider Anlagen dürfen bereits eine Stunde vor dem Sonnenaufgang hinein und dürfen bis zu eine Stunde nach dem Sonnenuntergang drin bleiben. Ja, so muss das sein, noch nicht perfekt, aber immerhin ein Anfang.

Deadvlei und Umgebung

Um nun in das Walhalla der Dünen zu gelangen, muss man nur noch die 60 Kilometer vom Gate bis zum Sossusvlei fahren. Auf dem Weg dahin ist es schwer die Augen auf dem Asphalt zu halten. Ja, es ist hier plötzlich aus dem Nichts eine Asphaltstrecke entstanden. Hält man sich nun an die Regeln, es gibt notwendige Ausnahmen 😉 dann braucht man circa eine Stunde bis ins Vlei. Wie gesagt, ständig lenken diese so wunderschön weiblich geformten Sirenen in Form von orangenen Sanddünen, den urbanen Odysseus in seinem klimatisierten Allradfahrzeug ab und die Gefahr im Linksverkehr irgendwohin zu driften ist hoch.

Hilux in den Dünen
© Raik Krotofil

Spätestens bei der Ankunft am Ende der asphaltierten Touristraße wird es ernst. Die Sandpiste wartet. Ich bin so etwas noch nie gefahren, geschweige denn mit so einer Kiste. Das Programm heißt Luftdruck an der Reifen ablassen auf rund 1.5 Bar, die Hände sanft auf das Lenkrad legen und im zweiten Gang mit hoher Drehzahl einfach hier durch pflügen. Bloß nicht anhalten! Auf der 5 Kilometer langen Piste haben sich im Tiefsand bereits einige Fahrzeuge eingegraben. Die Karre lenkt überall hin, nur nicht da hin, wo ich es gerne hätte. Ich schwitze ja selten, aber hier war ich nass. Egal, geschafft, war garnicht mal so schwer, nur Glück und Bleifuß. Karre abstellen, Rucksack schultern, reichlich Wasser mitnehmen, das Walkie Talkie anschalten und den Fußspuren im Sand folgen.

Dreißig Minuten später öffnet sich dann hinter einer Erhebung aus rotem Sand ein weites Tal. Der Talboden besteht aus verdichtetem Lehm, darauf drapiert runde eintausend Jahre alte Baumleichen. Ich bin im Deadvlei.

Deadvlei © Raik Krotofil

Deadvlei
© Raik Krotofil

Zu meinem Erstaunen bin ich zusammen mit meiner Partnerin hier allein. Endlich, das Vlei. Ich habe so viele Fotos von hier gesehen, bewundert, bestaunt, hinterfragt, ob es wirklich so farbig sei. Ja, das ist es. Mich umringen die orangenen Dünen, eine sanfte Brise weht und die wohlige Wärme schluckt irgendwie auch die Geräusche. Fast zwei Stunden verbringe ich hier, erst lasse ich die Lehmpfanne mit den Bäumen links liegen und widme mich dem Rand. Ich will sehen, wie es da aussieht, warum keiner Fotos von hier macht und oder zeigt. Der winzige Niederschlag, der hier die letzten Wochen währen der Regenzeit mal den Boden erreicht hat, färbt einige Büsche in ein sanftes Grün.

Die Wellen im Sand ziehen mich an. Ab und zu schaue ich, wo ich hintrete. Auf eine Puffotter zu treten würde mir jetzt nicht in der Kram passen, jetzt und auch sonst nicht.

Wellen im Deadvlei
© Raik Krotofil

Die Zeit verfliegt, ich fotografiere, und arbeite mich wieder zurück zur Mitte.

Die Sonne sinkt unaufhörlich und die Schatten in den Dünen werden länger und dunkler. Oh ja, bitte mehr davon! Es erinnert mich an das Pilze Sammeln im Herbst. Da vorne, ein Steinpilz, der ist schön groß und ohne Maden, ja da noch einer, weiter vorne eine Gruppe davon. Welche nehme ich mit? Egal, alle!

Deadvlei, es geht auch mit grünen Bäumen
© Raik Krotofil

Die Farben in den Dünen ändern sich. Ich muss mich setzen, ansehen, hinhören. In der ganzen Zeit hier waren nur 3 weitere Besucher anwesend, magisch. Zwischendrin baue ich den Filmkram mit dem Soundrecorder zusammen und mache für FotoTV ein paar Sachen. Aber nicht zu lange.

Erst leuchtet die Sonne noch die lehmigen Huppel aus um im nächsten Moment das Gelb abzudrehen und dem Vordergrund sein elegantes Graubeige zurückzugeben. Wahnsinn, es ist so bezaubernd, so schön hier, so bewegend, all die Attribute die mir einfallen sind zu klein, um das hier in Worte zu fassen. Namibia, das Land der Formen und Farben ist bestätigt.

Deadvlei
© Raik Krotofil

Deadvlei
© Raik Krotofil

Deadvlei
© Raik Krotofil

Deadvlei
© Raik Krotofil

Der Blick auf die Uhr gibt das Signal, Aufbruch, aber flott. Es ist viertel vor Sieben. Die Farben im Sand sind weg, flau, matt und stumpf, aber interessant. Zurückhetzen zum Auto, die Fahrt auf rohen Eiern zurück durch den Tiefsand zum Parkplatz. Kompressor raus, Reifendruck auf Asphaltstärke erhöhen. Nur noch 45 Minuten, bis das Tor schließt. Die Dünenfärbung ändert sich und geht über in eine Art rehbraun bis magenta. Am Horizont im Osten leuchten die Farben um die Wette. Gewitterwolken, darunter das Venusband in einem grau, das übergeht in ein hellblau, weiter zu türkis um dann zu einem magenta zu werden. Das glaubt Dir keiner, diese Farben, ich bin hin und weg und schwärme wie ein Teenager. Nicht Photoshop sondern Shop by nature! Wenn ich so weiter tuckere schaffe ich das nie. Doch alle vor mir fahrenden Autos, ich scheine das letzte zu lenken,  ist das Speed Limit wurscht, mir auch. Exakt und haargenau fahre ich um 20:00 Uhr durch das Gate, an dem die Wärter schon das Gitter in der Hand haben und nach mir zumachen.

Ich verbringe insgesamt drei Tage in der Namib. Mir liegen in der Sonne glänzende Riesendünen zu Füßen mit Wellen und Bögen, an denen der Sand vom Wind hochgepeitscht wird. Tage mit einsamen Sonnenaufgängen an der Elim Düne, Lagerfeuer am Campingplatz, kühlem Bier aus dem Kühlschrank Im Pub Toyoty Hilux und gegrillten Oryx-Steaks.

Ein Traum, in diesem Moment und lange danach, gibt es nicht schöneres! Ich will nicht Heim!

Dünen nahe Sossusvlei © Raik Krotofil

Dünen nahe Sossusvlei
© Raik Krotofil

Elim Düne Sesriem © Raik Krotofil

Elim Düne Sesriem
© Raik Krotofil

Dünen bei Kilometer 19 © Raik Krotofil

Dünen bei Kilometer 19
© Raik Krotofil

Düne 45 - der Wind weht heftig © Raik Krotofil

Düne 45 – der Wind weht heftig
© Raik Krotofil

Die Naukluftberge

Zwischen Namib und Kalahari türmt sich das Naukluft-Gebirge auf.

Irgendwo am Rande der Kalahari
Drive by Shot
© Raik Krotofil

Staubige Savanne, dazwischen trostlose Geröllwüste und in der Ferne staubige Windhosen. So sieht der Weg von der Namib hier hin aus. Es geht unmerklich weiter nach oben, bis ich nach zwei Autostunden in Hauchabfontain eintreffe. Hier haben wir einen Campingplatz, auf dem wir unser 4×4 abstellen, das Feuerholz richten und das Dachzelt ausklappen.

Hauchabfontain – Hotel Hilux mit bequemer Matratze im Dachzelt

Vor dem Essen noch runter an die Quellen, die wenig Wasser führen und Locationscouting machen. Der Gastgeber hier warnte dezent vor dem oberen Teil in den aktuell viele Speikobras und Black Mabas sein. Auch sollten wir auf der Hut von der Geparden, Hyänen und den zwei Leoparden sein. Ich war etwas nervös, final schätze hat das Getier sich eher vor uns versteckt.

Stellt Euch vor, ihr mach den Reißverschluss vom Zelt auf und habt die Fotolocation zu euren Füßen. So mag ich das. Eigentlich wollte ich am Morgen ausschlafen, doch nach dem Blick aus dem Dachzelt schulterte ich schnell die 15 Kilo f-Stop und das Stativ. Das sah nach Skyfire aus. Was für ein Klacks, 50 Meter zu laufen um dann auf das Licht zu warten. 

Wet - Hauchabfontain © Raik Krotofil

Wet – Hauchabfontain
© Raik Krotofil

Dry - Hauchabfontain © Raik Krotofil

Dry – Hauchabfontain
© Raik Krotofil

Während ich das Morgenlicht anbete, bereitet meine Süße das Frühstück vor.

Auf dem Weg zurück in Richtung Solitaire umringten Gewitter die Naukluftberge. Würde ich nicht felsenfest hier unten am Wendekreis des Steinbocks verweilen, ich wäre der Meinung, die Berge hier stehen auf den Färöer. Satt grün vom Regen der letzten Wochen strotzt die Vegetation selbstbewusst in der Kalahari.

Bullspot in den Naukluftbergen © Raik Krotofil

Gewitter – Bullspot in den Naukluftbergen
© Raik Krotofil

Die Küste

Namibia hat auch Strand zu bieten, wenn auch einen kalten. Swakopmund liegt hier zwischen den Ausläufern der Namib am kalten Atlantik. Baden ist kein Vergnügen, denn der kalte Benuguelastrom führt das antarktische Wasser hier an der Küste entlang. Das führt in der Folge dazu, dass die Küste oft neblig, grau und von Wolken verhangen ist. Die Skelettküste konnte ich nicht besuchen. Vielleicht ein anderes Mal.

Flamingos in der Walvis Bay © Raik Krotofil

Flamingos in der Walvis Bay
© Raik Krotofil

Dafür machte ich einen Trip in den Dorob-Nationalpark, die gelben Dünen am Atlantik. Ebenfalls ein Nationalpark mit strengen Regeln. Eine organisierte Tour schützt den wertvollen und empfindlichen Lebensraum Düne. Wusstet ihr, dass die Wüstenbewohner hier ihr Müsli essen? Müsli aus Samen, Gräsern, Pollen und allem, was der Wind aus Botswana und Sambia hier rüber bläst und dann von der Gegenströmung wieder vom Meer zurückgeweht wird. Es fällt dann an der steilen Lee Seite der Düne runter und bleibt dort im Windschatten liegen. Käfer fressen Müsli, Eidechsen und Geckos fressen Käfer, Schlangen fressen Geckos und Echsen, fertig ist die Nahrungskette. Gelegentlich schleichen Schakale hier durch, das war es dann auch.

Hornviper
© RAIK KROTOFIL

Und all diese Tiere sind kaum sichtbar und bedingt durch die Trockenheit und das knappe Nahrungsangebot recht klein. So misst eine der giftigsten Schlangen, die Hornviper, hier nur runde 30cm. Geckos und Blindschleichen wühlen sich unter dem Sand durch ihren Alltag. Die Touren werden immer auf der gleichen Strecke befahren, alle, die hier aussteigen folgen bitte immer den selben Fußspuren im Gänsemarsch. Kein Müll, keine Reifenspuren, kein Papiertaschentuch für die Notdurft, alles so weit es geht natürlich. Das ist nachhaltiger Tourismus, ich bin beeindruckt.

Und dann fahren wir durch die goldenen Dünen im Mittagslicht. Mein virtuelles Scouting zeigte mir hier einige, begrenzte Möglichkeiten im weichen Licht. Doch nun Mittagslicht, was wir eigentlich meiden wie der Teufel das Weihwasser. Oh mein Gott, ich kippe fast aus dem Autositz.

Dorob Nationalpark © Raik Krotofil

Dorob Nationalpark
© Raik Krotofil

Dorob Nationalpark © Raik Krotofil

Dorob Nationalpark
© Raik Krotofil

Der Sand glänzt wie gehäufter Goldstaub in der Sonne. Streifen im Sand, geformt von Magnetit und Eisenoxid, mal grau, braun, mal rubinrot. Unfassbar schön, die sanften Linien und Wellen, ich bin tief gerührt, mir glänzen die Augen und mir wird warm ums Herz. Schönheit hat mehrere Gesichter, eins davon ist diese Landschaft. Nachdem ich die Fragilität dieser Region hier spüren durfte, die Hintergrundinformationen bei der Tour dazu bekam, verging mir die Lust, mich in diesen Dünen Fotografisch im späten Licht allein zu bewegen. Ich wollte diese Schönheit nicht mit den Narben meiner unwichtigen Fußspuren verletzen. Mir blieben diese Reminder aus dem Dorob Nationalpark im vermeintlichen schlechten Mittagslicht.

Die Erongo Berge

Wer sich von uns alten noch an die Werbespots zu dem “gesunden Zeugs” Namens Schneekoppe erinnert, der kann sich das als Eselsbrücke zum Namibianischen Matterhorn merken, der Spitzkoppe. Das musste sein, da wollte ich unbedingt hin. Wie ich im Vorfeld befürchtet habe, war ein Tag definitiv zu wenig.

In meinen Augen, der schönste Campingplatz der Welt. In der Weite, zwischen den Bergen, steht der Hilux am gelben Granitfelsen und wartet darauf, dass ich ihn von der Last des Dachzelts und des Amarulas aus dem Kühlschrank befreie. Der Hotspot ist zum Sonnenuntergang der Steinbogen.

Hier heisst es, das musste ich lernen, früh da sein und die Arme breit machen.

Ich war überrascht, das hier für Namibia total untypisch, so viele Fotografen standen. Wir Fotografen haben uns verstanden, sind respektvoll miteinander umgegangen. Doch dann gibt es die Menschen, denen gehört die Welt und die stellen sich direkt vor dein Weitwinkel im besten Licht. Da hilft kein nettes Fragen oder erörtern der Situation. Willst du ein Foto ohne Französische Hüte im Vordergrund musst du umziehen oder eben nicht auslösen. Ich zog es vor umzuziehen, die Kopfhörer aufzuschnallen um mich aus dieser Ebene in der Matrix auszublenden. 

Die Sonne ist weg, Spitzkoppe © Raik Krotofil

Spitzkoppe
© Raik Krotofil

Die Sonne ist weg, Spitzkoppe © Raik Krotofil

Die Sonne ist weg, Spitzkoppe
© Raik Krotofil

Der Wecker wirft mich um ein Uhr aus dem Schlaf, denn die Milchstraße steht jetzt gut. Auch sind all die Jediritter verschwunden, die den Steinbogen versucht haben mit LED Lampen in Trümmer zu schlagen. Ich kann also in Ruhe fotografieren. Die hundert Meter vom Dachzelt zum Steinbogen sind schnell gelaufen. Es ist dunkel, so richtig schwarz, Lichtverschmutzung ist in Namibia ein Fremdwort. Die klare, trockene Luft und die geografische Höhe von runden 1000m über dem Meer lassen es zu, dass die Milchstraße am Himmel wie ein funkelndes Band erstrahlt. Stellenweise so hell, dass es auch bei Neumond möglich ist, ohne Stirnlampe seine Umgebung zu erkennen.

Spitzkoppe und Milchstraße © Raik Krotofil

Spitzkoppe und Milchstraße
© Raik Krotofil

Wenn wir gerade von Dunkelheit reden. Während ich in dunklen Gebieten in Deutschland ein Nachfoto mit Milchstraße mache, sind die Exif Daten oft ISO 6400, f2.8 und 30 Sekunden. Hier an der Spitzkoppe sind es genau 2EV weniger an Licht. Selbst andere Galaxien wie die Große Magellansche Wolke, lassen sich mit bloßem Auge erkennen.

Spitzkoppe © Raik Krotofil

Spitzkoppe und Milchstraße
© Raik Krotofil

Spitzkoppe und Milchstraße © Raik Krotofil

Spitzkoppe und Milchstraße
© Raik Krotofil

Die Nacht war kurz, kurz vor sechs schäle ich mich aus dem Schlafsack.

Die Spitzkoppe im Morgenlicht, alles mitnehmen was geht, denke ich mir. Die sechzehn Stunden hier vor Ort müssen maximal genutzt werden. Dieses mal möchte ich das reflektierte Licht der Morgensonne auf der Spitzkoppe sehen. Und nun geht die all morgendliche Geräuschkulisse los. Hier könnt ihr mal reinhören, was ich vor Ort mit dem Soundrecorder in Namibia festgehalten habe.

Spitzkoppe im Morgenlicht © Raik Krotofil

Spitzkoppe im Morgenlicht
© Raik Krotofil

 

Waterberg Region

Je weiter ich mich in Richtung Norden bewegte, desto grüner und üppiger wurde die Vegetation. Der Weg zum Waterberg Plateau ist weit. Die letzten zwanzig Kilometer Strecke besteht aus roter Sandpiste. Die se lässt sich bei Trockenheit relativ gut befahren. Wenn der Sand nass nach Regenfälle ist, möchte ich hier nicht fahren. Das Waterberg Massiv begleitet einen bei der Fahrt recht lange, bis man das Tor zum Nationalpark erreicht. Auch hier verbrachten wir eine Nacht in Dachzelt. Vielleicht hätte ich hier länger bleiben sollen und eine der Wanderungen hoch zum Plateau machen sollen. So war der Waterberg für mich eher nur ein Zwischenstop, ohne besondere Highlights. Außer vielleicht der Zebrakobra, die sich drei Meter neben mir unter einem Stein verkrochen hat. Die Aussicht auf dem Sunrisepoint war ganz nett, im späten Licht auch wirklich sehenswert. Ich war hier am Waterberg auch so wie am Ende meiner Reise und ehrlich gesagt bequem und satt fotografiert. Ich verspürte keine große Lust, mir hier nun zum Sonnenaufgang Locations zu suchen, dazu war zu wenig Zeit. Vielmehr wollte ich am Grill und Lagerfeuer meinen Abend verbringen. Dabei haben mich aus dem Gebüsch dann in der Dunkelheit zwei Augen einer Zibetkatze beobachtet.

Waterberg Region © Raik Krotofil

Waterberg Region
© Raik Krotofil

Etosha Nationalpark

Für die Tierfotografen unter euch ist der Etosha Nationalpark sicherlich das Ziel in Namibia. Wobei ich sagen muss, ich wusste nicht, dass es in Namibia so viel privates Farmland gibt, in dem ebenfalls viele Wildtiere leben. Diese Farmen bieten auch Übernachtungsmöglichkeiten sowie die typischen Gamedrives an. Gerade in so einer Farm in Omatozu sahen wir unseren einzigsten Leoparden, der in der Nachmittagssonne in einer Astgabel ruhte.

Dazu einige Giraffen, Warzenschweine, Springböcke, Elandantilopen und Kudus.

Zurück zum Etosha. Wir haben den Park von der Westseite befahren. Am Galton Gate, dieses wurde erst in jüngerer Vergangenheit wieder dem Publikumsverkehr zugänglich gemacht, begann unsere Pirschfahrt. Am Eingang zu den Parks herrschen strenge Kontrollen. Es wird nach Waffen gefragt, Drohnen sind verboten und die Ranger schauen genau in die Fahrzeuge. Der Kühlschrank im Pickup wurde auf Fleisch und Eier kontrolliert.

Die Geschwindigkeit im Etosha ist auf 60 km/h beschränkt. Schneller geht es kaum und ist auch nicht wirklich sinnvoll. Die Wege sind oft ausgewaschen, Schlaglöcher und mit Wasser gefüllte Senken machen ein schnelles Fahren unmöglich. So brauchten wir vom Westeingang bis hin zu unserer ersten Tagesetappe, dem Taleni Village am Andersson Gate, runde 6 Stunden. Dabei haben wir immer wieder gestoppt, gepirscht und Tiere fotografiert. Ich muss sagen, die Tierfotografie zählt nicht zu meinen Stärken, denn es braucht Geduld. Geduld zu warten, am Wasserloch, bis die Tiere aus dem Dickicht kommen, oder sich wieder dem Fahrzeug nähern. Dazu kommt, im Etosha herrscht striktes Aussteigeverbot! Das bedeutet, alles was vor das Objektiv kommt, muss genommen werden, wie es ist. Mit Brennweiten unter 200mm braucht man da nicht anfangen, eher mehr. Das nächste Problem ist delikat. Es gibt zwar vereinzelt eingezäunte WC-Plätze, aber die wenigsten sind akzeptabel sauber oder schnell zu erreichen. Es braucht also einen Plan B, wenn es unerträglich schmerzt im Becken. Wozu sind denn die 5 Liter Wasserkanister sonst noch zu gebrauchen …

Die Schwierigkeit besteht also darin, das in der Regel viele Tiere beim Anrollen anfangen auszubüxen. Vor allem die scheuen Giraffen. Dann ist da ständig irgendwo ein Ast, zentimetergenau musste ich vor rollen, um freie Bahn auf das Wild zu haben. Ich habe ehrlich gesagt wenig gute Fotos mitgenommen. Es war auch nicht mein Ziel, mein Plan waren die Landschaften. 

Gepard © Raik Krotofil

Gepard bei Otjitotongwe
© Raik Krotofil

Wer außerhalb des Parks nächtigt hat es etwas schwerer, gutes Licht für die Pirschfahrten zu bekommen. Die Kontrollen und Schlangen sind bei der Einfahrt entsprechen lange. Die Maingates am Parkausgang schließen bereits eine Stunde vor Sonnenuntergang. Erst wenn man im Park übernachtet, wird es erträglicher. Die Lodges im Park öffneten zu meiner Reisezeit 07:10 Uhr. Der Sonnenaufgang war bereits um 07:06 Uhr. Dann braucht es halt noch einige Fahrzeit zu den guten Stellen, die oft nur die heimischen Guides und Fahrer kennen. So ist das beste Licht oft schon weg. Am Abend ist es nicht besser.

Gnu im Etosha © Raik Krotofil

Gnu im Etosha
© Raik Krotofil

Kudu im Etosha © Raik Krotofil

Kudu im Etosha
© Raik Krotofil

Springbock im Etosha © Raik Krotofil

Springbock im Etosha
© Raik Krotofil

Sonnenuntergang war um 18:40 Uhr, das Gate zum Camp schließt bereits um diese Uhrzeit. Es bleibt oft nur das grelle, unfotogene Licht übrig. Trotz allem ist es eine Offenbarung zu erleben, wenn rechts von dir die Zebras und Antilopen an der Wasserstelle anfangen zu flüchten, da im nächsten Moment zehn Meter vor Dir zwei erhabene Löwenmännchen aus dem Gebüsch schreiten und den Weg queren. Insgesamt waren wir drei Tage im Etosha Nationalpark und dieses Entdeckerfeeling, wenn du langsam die Piste abfährst, einer scannt links, einer scannt rechts die Büsche und Ebenen ab, macht einfach unglaublichen Spaß. Am Ende der Tage sahen wir dann doch einige Rhinos, Elefantenherden, die zwei erwähnten Löwen, Giraffen, etliche Antilopenherden, viele Gnus, zahlreiche Vögel, auch große wie Trappen, Sekretär und Marabu. Schakale, Erdmännchen, Mangusten begleiteten uns ebenfalls. 

Wenn ihr hier her fahren möchtet ist meine Empfehlung, nehmt euch Zeit. Übernachtet im Park, der übrigens ca. 22.000 Quadratkilometer groß ist.

Die Landschaft ist abwechslungsreich und besteht aus vegetationslosen Salzpfannen, Grasfeldern, Buschsavanne und teilweise Trockenwald.

Die endlose Weiter der Etosha Salzpfanne © Raik Krotofil

Die endlose Weiter der Etosha Salzpfanne
© Raik Krotofil

Was bleibt, nach 15 Tagen intensivster Reise durch Namibia, ist ein Herz voller schöner Momente, ein Kopf voller Eindrücke, eine gute Ausbeute an Fotos und nicht zu letzt die Sehnsucht und das Verlangen, nach Namibia zurückzukehren. Ich bin der Meinung, Namibia erfahren, fühlen und spüren kann man am besten in der freien Natur, am Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel.

Wen es nun juckt, macht es. Namibia ist gut zu bereisen, es zählt zu den sichersten Reiseländern Afrikas. Entweder auf eigene Faust oder vielleicht auch in der Zukunft gemeinsam mit uns.

Die Infrastruktur ist gut, es gibt ein gutes Netz an Tankstellen, Supermärkte in jeder größeren Ortschaft, Bäckereinen, gelegentlich guten Kaffee, Übernachtungsmöglichkeiten sind ebenfalls keine Mangelware, jedoch ist Namibia kein Land des Massentourismus. Das bedeutet, die Lodges und Campingplätze sind oft schon ein Jahr im Voraus ausgebucht. Mietwagen-Anbieter gibt es viele, jedoch würde ich immer wieder einen 4×4 Jeep oder Pickup wählen. Gerade das ganze Fotogepäck, welches wenn möglich staubfrei bleiben sollte, ist ideal in einem Double Cab auf den Rücksitzen aufgehoben.

Denn “wer einmal von den Wassern Afrikas trank, kehrt hierher zurück.”

Raik Krotofil

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Reinhold,
    Namibia hat mir so unendlich gut gefallen. Auch ich habe den Drang zurückzukehren.
    LG
    Raik

  2. Hallo Raik,
    danke danke danke für deinen tollen Bericht. Ich war im vergangenen Jahr zu einer Fototour mit meiner Tochter dort und haben die gleiche Tour gemacht.
    Deine Empfindungen, die Du in deinem Bericht schilderst, haben meine Erinnerungen noch einmal richtig lebendig werden lassen.
    Auch deinen letzten Satz zum Abschluss unterschreibe ich voller Überzeugung. Noch nie in meinem Leben habe ich so stark den Wunsch verspürt, an diesen wunderbaren Ort zurück zu kehren und ich hoffe, dass es noch einmal klappen wird.
    Reinhold Arndt

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