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DIE SCOUTINGREISE – WAS IST DAS UND WIE LÄUFT SOWAS AB

-Eine Scoutingreise nach Cornwall & Devon-

Zeit ist heute ein knappes Gut . Einen gewissen Freiraum nur für sich und sein Hobby der Landschaftsfotografie zu erhalten, ist eine wundervolle und einzigartige Sache. Dazu dient eine Fotoreise. Eine Reise ohne Störungen, Ablenkungen, Zeit- und Terminplänen, gelenkt und diktiert vom Rhythmus der Gezeiten und dem Licht.

Grund und Ziel

Bevor wir eine Fotoreise anbieten, bereisen und fotografieren wir die Zielregion selbst. Niemals würden wir eine Reise anderen Fotografen offerieren, ohne je selbst vor Ort gewesen zu sein. Uns ist es wichtig, die Eigenarten der Landschaft und die Infrastruktur vor Ort zu kennen. Wir wollen jeden Fotospot selbst mit eigenen Augen sehen, verstehen und die Besonderheiten, die Möglichkeiten und auch die Gefahren vor Ort einschätzen.

Auf nach Cornwall

Es ist sehr früh an diesem Julisamstag, die erste Propeller-Maschine verlässt den Boden in Stuttgart gegen 05:45 Uhr. Ich bin seit 02.00 Uhr wach und dieser Tag wird lang werden. Beim Check In wurde mein Handgepäck gewogen und die Airline war extremst penibel, was die Abmessungen und das Gewicht betraf. In der Kabine angekommen wurde mir klar warum. Diese kleinen Dash8-Propeller-Maschinen haben ein derart kleines Gepäckfach, dass ich mit Ach und Krach gerade so meinen bereits abgespeckten Santori Rucksack dort rein bekam.

Nach zweieinhalb entspanntem Stunden Flug, wovon ich die Hälfte verpennt habe, lande ich in Newquay. Der Rechtslenker wird in Empfang genommen, das Navi angepfropft und der Weg führt mich ins Zentrum Newquays.
Das Meer hat sich weit zurückgezogen, es riecht salzig, Möwen schreien und das Licht der Morgensonne blendet meine übernächtigten Augen. Kaffee!! Croissant!! Marmelade, ruft mein Hirn. Doch nicht in England, mein Lieber Raik, musste ich feststellen. Ich fand ein kleines süßes Café, welches mich in den nächsten Tagen kulinarisch ein wenig über Wasser halten sollte.

Gegen 11:00 Uhr versuche ich mein Zimmer zu beziehen, klar, es ist nicht frei, Check In ist gegen 14:00 Uhr. Also tuckere ich die Küste entlang, um irgendwo etwas Nettes zu finden, was, ist mir noch nicht klar. Gegen 13:00 Uhr bin ich am Hotel, mache erschöpft den Autositz zurück und schlafe erst mal bei leicht geöffneten Scheiben eine halbe Stunde. Dann ist das Zimmer frei. OK, rock it. Koffer ausräumen, Rucksack umpacken, alles kampf- und einsatzbereit machen.

Organistaion – Planung und Vorbereitung

Vor einer solchen Reise steht die Planung selbiger. Was will ich überhaupt ansehen? Welche Locations gibt es, welche sind für mich persönlich schön und reizvoll? Es entsteht nach tagelangem virtuellen Scouten von Locations eine Locationtabelle. Schön sortiert nach Tag, nach Location, nach Wichtigkeit, nach den optimalen Uhrzeiten, den theoretischen Tidenständen und den Besonderheiten. Diese Tabelle liegt ausgedruckt auf dem Beifahrersitz. Das Navi ist gefüllt mit all diesen Locations.

Küste und Leuchtturm

Mein Garmin routet mich am ersten Abend ausnahmsweise mal schnell und ohne seltsame Umwege direkt zu dem Strand an der Westküste. Dort hatte ich den Leuchtturm auf der kleinen vorgelagerten Insel als möglichen Spot ausgemacht. Die Schlepperei beginnt. Der Rucksack ist bis zum Anschlag voll mit Ausrüstung. Wasserflasche und Kleidung für den Zwiebellook. Linke Hand das Stativ, rechte Hand die Vanguard Tasche mit dem Videogeraffel.
Ich bin 3 Stunden vor Sonnenuntergang hier um mich umzusehen. Wo geht was, was geht wo, wie steht das Wasser, wo ist es rutschig und so weiter.

Warten auf´s Licht

Irgendwie connecte ich noch nicht, diese Location ist bei ablaufendem Wasser schwer, ich finde keinen Bildaufbau. Resignierend und die Zeit abwartend setze ich mich irgendwo in die Felsen zwischen die lila blühende Erika. Es zieht wie Hechtsuppe. Ich kauere mich und suche Windschatten. Stück für Stück ziehe ich mehr Klamotten an. Mir ist kalt, ich bin müde und irgendwie ist das hier nichts. Meine Laune ist mies. Dann rüttele ich mich wach. Raik, du bist am Atlantik, du bist allein und das hier ist nicht selbstverständlich. Denn aufgeben ist kein Plan, never!
Ich beobachte Robben im Wasser, sehe den Wellen beim Tanzen im Wind zu und so langsam komme ich zu mir. Immer wieder laufe ich wie ein debiler Käfig-Tiger die Felsen hoch und runter und suche für das gute Licht einen Standpunkt. Dann wird mir klar, ok, du muss jetzt doch dort runter kraxeln, sonst wird das nichts hier. Wie eine Bergziege, vorsichtig, da ich noch eine Woche vor mir habe, balanciere ich mit dem ganzen Gerödel bewaffnet die Klippen runter. Oh well, das sieht ja ganz nett aus, hier geht was. Aber das Schild “slippery when wet” fehlt. Je grüner desto rutschiger ist es auf den Felsen.

Lighthouse Cornwall © RAIK KROTOFIL

Lighthouse Cornwall © RAIK KROTOFIL

Die Sonne steht gut, Wolken hat es nicht, aber ich bin zufrieden, krabbele zurück und verziehe mich in Richtung Auto. Ich bin durch, ich brauche Kalorien. Im Auto liegt eine Packung Scones aus dem Supermarkt, die brauche ich jetzt. Der Blick zurück in Richtung Insel gibt mir so ein Gefühl. Mampfend laufe ich ein paar Meter zur Klippe, denn die Farbe am Himmel nehme ich noch mit.

Lighthouse Cornwall © RAIK KROTOFIL

Gegen halb Zwölf falle ich tot in mein Bett. Doch auch diese Nacht wird wieder kurz. Kurz vor Vier klingelt der Wecker, aua das tut körperlich weh.

Kurze Nächte und wenig Schlaf

Aber das muss jetzt. Ich schwinge mich in meinen Vauxhall und tuckere gen Süden, ich will zum St. Michaels Mount. Nachdem mein Rechtslenker durch die engsten Gassen fegt, knallt der Außenspiegel dann doch an eine Mauer. Die Beifahrerseite kann ich immer noch nicht einschätzen. Angekommen baue ich auch schon auf und warte auf das Licht, das kommen sollte. Die Sonne bleibt an diesem Morgen leider hinter einem schmalen Wolkenband, der Berg will einfach kein Licht abbekommen. Die Sicherheitsshots sind im Kasten, dann baue ich das Videozeug auf und fange an, ein paar Takes für FotoTV aufzunehmen. Nach über einer Stunde Fahrt bin ich wieder im Hotel.

St. Michaels Mount © RAIK KROTOFIL

St. Michaels Mount © RAIK KROTOFIL

Im Haus riecht es nach Fett und Gebratenem. Ich folge dem Geruch und komme an im typisch englischen Frühstückswahn. Cerealien in Plastikboxen, wovon Eine mehr Zucker und Weizen hat als die Andere. Fettige Pappcreme, Eier, Speck, Bohnen, Hash Browns, alles nichts für mich. Nur das Porridge, uiuiui, das ist ja der Burner. Genug Energie für den Vormittag auf gehts.

Meinen Vormittag verbringe ich in Newquay bei Cappuccino und Scones. Apropos Newquay. Ein hübscher Ort mit Surferflair. Ich komme auf das kleine Café zurück. Mit Liebe gemachtes Essen, leckerer Cappuccino, hübsche Studentinnen, aus den Lautsprechern dringt Britpop, während an mir Menschen mit Surfbrettern und schlabberigen Kapuzenpullis vorbeiziehen.

Schluss mit lustig, jetzt wird gearbeitet. Ich spule mein Locationprogramm ab.

Erst besuche ich eine Bucht, mache ein paar Filmaufnahmen, fahre weiter und komme am Tagesziel, Trebarwith Beach an. Oberhalb der Bucht ist ein Restaurant, cool- futtern und chillen. Nachdem das erledigt ist, gönne ich mir noch eine Portion Tee, setze mich damit an den Rand der Klippen und beobachte das Treiben am Strand.

It´s Tea Time

Das Licht wird langsam gut, ich hole mein Zeug aus dem Auto und laufe mit meinen Strandmiefasbachuralt Turnschuhen über die rutschigen Felsen. Flutschhhhh, gerade nochmal abgefangen. Die Schuhe werden beerdigt und die ersten guten Fotos kommen. Sauber, wenn´s so weiter geht. Ich gehe zum Strand und suche einen Steinbogen, den ich auf Fotos von hier gesehen habe. Aber ich finde nichts. Ich frage ein paar Locals am Strand, aber keiner kennt das Ding. Nach einer halben Stunde habe ich den Bogen gefunden. Der ist viel kleiner als erwartet und das Wasser bereits abgelaufen. Dieses Motiv wird heute nichts. Das gehört halt zum Scouting dazu. Alles, was man sich so theoretisch daheim am Rechner zusammenspinnt, muss erst entdeckt werden. Und dann muss es noch funktionieren.

Trebarwith Beach © RAIK KROTOFIL

Trebarwith Beach © RAIK KROTOFIL

Aktuelle sind Ferien in England, es ist Sonntag und mein Plan hierher zu kommen löst sich so langsam in Luft auf. Der Tidenstand passt nicht, das Wasser ist bereits zu weit zurückgegangen. Aber ein paar Gezeitentümpel werden sich noch finden lassen. Es sind noch recht viele Besucher hier. Ich folge dem Wasser und suche Stellen, an denen niemand ist. Doch kaum steht mein Stativ, eigentlich ganz weit weg, kommen auch schon wieder Spaziergänger mit ihren Hunden. Super und direkt vor die Kamera. Alles zertrampelt, fu..!!! Das Licht dimmt unspannend weg. Ich finde dann doch noch einen kleinen Pool. Da mache ich mich breit und jeder der mir zu nahe kommt, erntet den grimmigsten Blick, den ich im Petto habe.

Trebarwith Beach © RAIK KROTOFIL

Trebarwith Beach © RAIK KROTOFIL

Auf dem Rückweg möchte ich noch an einer Bucht halten, die ich mir am Mittag bereits angesehen hatte. Ich laufe über eine Wiese eine Viertelstunde in Dunkeln, der Mond und meine Stirnlampe leuchten mir den Weg.
An einer steilen Stelle baue ich vorsichtig, da ich schon reichlich müde bin, mein Stativ auf. Ab und zu geben die Wolken den Mond frei, jedoch sind am Himmel leider zu viele Wolken. Gerade in Nordrichtung ist es zugezogen. Ich hoffe also, dass die Wettervorhersagen rechtbehalten und ziehe Mütze, Jacke und Handschuhe an. Irgendwie finde ich auf den Felsen einen Platz zum Hinlegen. Ein halbe Stunde warte ich, die Aussicht auf Besserung am Himmel schwindet. Nach ein paar Fotos mit leichten Wolkenlücken beschließe ich abzubrechen und ins Bett zu wollen.

Night Rocks © RAIK KROTOFIL

Night Rocks © RAIK KROTOFIL

Es geht im Dunkeln zurück. Nebelbänke hängen runde zwei Meter über dem Boden wie schwebende Bettlaken. Der Vollmond lässt diese Nebellaken silbern schimmern, der Radiosender spielt kuschelige Musik aus den 80ern.
Es ist gegen Ein Uhr, als ich im Bett liege.

Es ist kurz vor Sieben am Morgen, als mein Verstand mich aus dem Bett treibt. Alter, Daten sichern! Also schnell das Notebook auf den Schoß und die RAW´s sowie Filme kopieren.

Die schwere Arbeit der RAW-Entwicklung

Definitive Locations

Heute steht Botallack Mines auf dem Plan, alte Zinnminengebäude am Meer. Auf vielen Fotos bereits gesehen, möchte ich hier die Lage checken.
Es ist gegen 14:00 Uhr, also das unfotogenste Licht überhaupt, aber ich bin hier zum Rumlaufen, Absuchen, Entscheiden und Planen. Nachdem ich das alles gesehen habe, geht es weiter zum Cape Cornwall, gleich um die Ecke. Auch hier gilt es einen bestimmten Punkt in der Bucht zu finden. Nachdem ich einen Plan B für diese Bucht entwickelt habe und den Anfahrtsweg dorthin gefunden habe, geht es weiter in südöstlicher Richtung, mit einem weiten Bogen um Land´s End. Keiner kriegt mich hierhin, sei die Location auch noch so attraktiv. Jahrmarktähnliche Zustände, Menschenmassen, überfüllte Parkplätze, all das ist mir zutiefst suspekt.

Mein Garmin Navi schickt mich wieder durch abenteuerliche Feldwege, es könnte womöglich 21,5 Sekunden Zeit sparen. Den Strand welchen ich suche, bzw. den Zugang dazu, finde ich einfach nicht und Locals verraten mir dann, dass es eine halbe Stunde Marsch die Felsen runter sei – gestrichen! Keinen Bock und keine Zeit für diese “C” Location. Auf dem Weg zurück zu Botallack Mines halte ich in dem kleinen Örtchen an und mache Pause vom Fahren. Ja, fahren ist die Hauptbeschäftigung auf einer Scoutingreise, nicht Fotografieren! Ein saftiges Guinness und dazu ein Local Steak (was sich in Form eines Gulasch vor mir ausgebreitet hat) sind jetzt Seelenbalsam.

Botallack Mines

Botallack Mines © RAIK KROTOFIL

Bei Botallack Mines bin ich wieder 3 Stunden vor Sonnenuntergang. Tide beobachten, Filme drehen, Drohne fliegen und ein paar Fotos machen. Doch ich will bewusst frühzeitig abbrechen, denn die benachbarte Bucht am Cape Cornwall brauche ich noch. Die Zeit auf einer Scoutingreise ist limitiert. Ich brauche viel Input und viel Material. Der letzte Shot ist auf dem Sensor und ich hetze zurück zum Parkplatz, schnaufffff. Ab in die Karre und sofort weiter zum anvisierten Feldweg. Parken, Rucksack auf und im Laufschritt renne ich durch dieses malerische Tal. Wie schön es hier ist, ein Bach plätschert durch die bewachsenen Hügel, am Rande pittoreske Mienenruinen. Fu… keine Zeit!
Die Bucht erreiche ich, das Licht ist gerade sehr gut, aber die Felsen sind steil, glatt und das Wasser zu weit weg. Ich eiere über die glitschigen Felsen, ich muss nach vorne an die Wasserkante. Zum Glück ist der Atlantik gnädig mit mir und lässt mich milde in seiner Nähe weilen. Ich mache mit der gebotenen Achtsamkeit meine Fotos und beschließe, dass ich es nicht weiter herausfordern will.

Cape Cornwall © RAIK KROTOFIL

Cape Cornwall © RAIK KROTOFIL

Jetzt kann ich mal Luft holen und laufe die halbe Stunde zurück zum Auto, patschnass geschwitzt, aber glücklich. Das Tal ist so lieblich, es gefällt mir sehr gut hier. Überhaupt bin ich glücklich, zufrieden, euphorisch, dankbar und sowieso sentimental. Das was ich hier mache ist einfach nur geil! Die Energietanks sind leer, aber es sind noch Scones in der Beifahrertüre, her damit. Der Tag ist noch nicht zu Ende. Ich fahre zurück nach Botallack Mines, denn die Mienengebäude will ich noch mit Sternen darüber haben. Nach 10 Minuten Fahrzeit bin ich eh zu früh hier, es ist noch zu hell. Das Autoradio vertreibt mir die Zeit und ich sinniere.

Botallack Mines @ RAIK KROTOFIL

Botallack Mines @ RAIK KROTOFIL

Der Abend endet versöhnlich, Botallack Mines mit Astronomischer Dämmerung und ein paar Sternen über den alten Gemäuern habe ich. Und wieder wird es gegen Mitternacht, als ich das Hotelzimmer betrete.

Die Tage gehen auf meiner Cornwall Reise so oder so ähnlich weiter.
Geschlafen wird in Etappen, Gegessen, wenn kein Licht ist und nebenbei will die Datensicherung auch noch gemacht werden. Das Wetter muss ich auf dieser, wie auf jeder Fotoreise, im Auge behalten, auch die Tidenstände.

Enttäsuchungen und Schwein gehabt

Meine Locationliste hat heute für mich unter anderem einen Leuchtturm auf einem Felsen auf dem Programm. Ich fahre eine gute Stunde, davor sind noch zwei Strände anzuschauen. Auf dem Weg zum Leuchturm von Hartland kommt ein kleines Häuschen mit einem älteren Herrn als Parkplatzkassierer. Überhaupt kann man ich Cornwall nur auf offiziellen Parkplätzen an den Locations parken, das ist per se gut organisiert. Aber jeder bekloppte Parkplatz am Ende des Nichts kostet Geld. Zurück- der ältere Herr meint, der Parkplatz schließt um Sechs, wie lange ich brauche. Ich sagte fünfzehn Minuten. Ok, er knöpft mir 3 Pfund ab und lässt mich passieren. Keine zehn Meter weiter stelle ich das Auto ab und zwei Wanderer fragen mich, ob mir niemand gesagt hätte, dass das Areal um den Leuchtturm nicht zugänglich sei, seit Jahren wird hier gebaut. Im Moment fange ich gerade an rote Backen zu bekommen, die Adern am Hals werden dicker und ich rege mich reichlich über diesen – ich Piepse meine Wortwahl hier jetzt aus – auf. So ein Depp.
Also renne ich trotzdem geschwind einen Hügel hoch um die Lage zu peilen. Danach geht es weiter zum Spot für den Abend.

Der Blackchurch Rock befindet sich am Ende eines Waldstückes, an einem lieblichen Tal mit Bachlauf und einem rauchenden Mühlengebäude.

Ich bin alleine. Knappe vier Stunden vor Sonnenuntergang bin ich hier. Ich genieße die Ruhe, esse ein wenig und schaue mich an diesem kleinen Strand um. Mein Plan für heute ist, dass der Wasserstand zurückgeht und die aktuell nicht sichtbaren, aber scheinbar vorhandenen Felsen zum Vorschein kommen. Ich mach wieder ein paar Filmtakes, lasse die Drohne fliegen und genieße das kalte Pale Ale, welches ich bei meiner Ankunft in den Bach gelegt hatte. Die Zeit verstreicht, das Wasser geht zurück, aber in meinen Augen viel zu langsam. Immer wieder sehe ich auf meinen Tiden-App, schätze die Wasserhöhe ein und rede mit mir selbst. Das Licht wird sehr gut, golden strahlen die Felsen, aber die Riffles unter Wasser kommen nicht raus. Habe ich mich verzockt?

Ich kühle für später

Geduldig, nein quatsch, ungeduldig warte ich, beobachte das Wasser, feiere jeden Stein, der beginnt aus dem Wasser rauszuschauen. Immer wieder laufe ich am Wasser auf und ab. Das Licht wird blauer, der Atlantik hat meine Selbstgespräche erhört und gibt nun die Felsstrukturen frei. Jetzt aber muss ich, unbedingt! Schuhe aus! Extrem vorsichtig taste ich mich durch das schwarze Wasser. Es ist so dunkel, so dass ich im Wasser nichts mehr sehe. Es ist rutschig, glitschig und ich mag meine Knöchel gerne am Stück wieder mit nach Deutschland zurück nehmen. Jetzt wird die Location attraktiv, so wollte ich das haben. Resümierend habe ich mich bei einem Tidenhub von 7 Metern bei dem Wasserstand um gut einen Meter verschätzt.

Blackchurch Rock © RAIK KROTOFIL

Blackchurch Rock © RAIK KROTOFIL

Das sind die Unwägbarkeiten, die eine Scoutingreise und langes Verweilen vor Ort unabdingbar machen. Die Location muss erkannt werden, das Wasser beobachtet, ja oft ein Gezeitenturnus abgewartet werden, um zu wissen, wann man hier die Früchte ernten kann. Einige Spots funktionieren nicht, andere sind dagegen unerwartet gut und haben extrem viel Potential.

All diese Expertise und Erfahrung braucht es, um unseren Teilnehmern eine einzigartige, erfolgreiche und denkbare Fotoreise anzubieten.

Bis zum letzten Moment

Ich zitiere meine Liste mit den Tagesabläufen:

Tag 7

-Früh: auspennen 

Mittag: Boscastel abchecken, Blick von den Felsen

-Abend: Port Isaack: Beifang im kleinen Hafen, dann Essen und früh ins Bett

Der Letzte Tag der Reise sollte gemütlich werden. Sollte werden!

Es wird Regen geben, also beschließe ich: Mir fehlen noch ein paar grüne Englandbilder. Die Locations werden in Google Earth nochmals überprüft und für den Tag zusammengesucht. Ich fahre nach Boscastle, da sollten am Wasser ehrwürdig alte Häuser stehen. Auf dem Weg dahin regnet es. Ich beschließe, erst mal so in den Ort zu laufen. Ein Cream Tea wäre cool. Das erste Café ist meins. Ich sehe einen leckeren Heidelbeerkuchen und bestelle gutgläubig und nichtwissend “Cream Tea”. Ich denke, das ist Tee mit Milch. Die Bedienung fragt mich drei mal, was ich will und bringt mir dann an den Tisch eine Kanne Tee, 2 Scones mit Butter und Marmelade und das Stück Heidelbeerkuchen. Uff, das soll ich alles essen? Ich habe nun gelernt, “Cream Tea” ist Tee mit Scones. 

Boscastle © RAIK KROTOFIL

Es regnet immer noch leicht und laufe runter zum Meer um die Lage zu peilen. Der Wind verbiegt meinen Regenschirm. Das wird nichts. Ich gehe zum Auto und schaue auf das Regenradar. Der Chef Regenradar befiehlt, schlafen.

Ich bin eh müde, kurble den Sitz zurück und fliege ins Reich der Träume. Ein halbe Stunde später wache ich auf, wie vorhergesagt regnet es nicht mehr. Im Eiltempo packe ich aus und laufe runter zum Hafen. Ich schaffe es, ein paar grüne Englandbilder mitzunehmen und fahr weiter, zum nächsten Stop.

Trübe und mollig – Cornish Seascapes

Hier angekommen scheinen die Bedingungen sehr gut zu sein. Wieselflink wieder runter ans Meer. Die Flut kommt langsam zurück. Ich suche meinen Bildaufbau zwischen den welligen Felsen. Zwischen glitschigen Steinen balanciere ich. Den Schirm unter der Achsel eingeklemmt, die Wellen beobachtend und immer wieder die Filter putzend mache ich meine Fotos. Aufbauen, Ausrichten, Putzen und Auslösen. Dieser Rhythmus gelingt zwei,- drei Mal, dann muss ich wieder ein paar Meter zurück flüchten und den Rucksack in Sicherheit bringen. Nachdem der fiese, fast horizontal kommende Regen mich vertrieben hat, trockne ich meine Ausrüstung und mich etwas ab, um im Auto zu verschwinden und das Finale in Newquay bei Tappas und einem Estrella zu besiegeln.

Diese Woche in Südengland hat mich über die fotografsichen Möglichkeiten staunen lassen, die Cornwall und Devon bieten.

Solltet ihr nun Lust auf Cornwall bekommen haben, es wird im Sommer 2020 eine Reise dorthin geben.

Raik

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Bruno,
    danke füe Deine Worte. Wir sehen uns dann in Cornwall.
    LG
    Raik

  2. Hallo Susanne,

    ja, es steckt viel Arbeit, Herzblut und Liebe in einer sochen Reise. Erst wenn man sich damit mal beschäftigt, sieht man den Aufwand dahinter.

    Ich danke Dir für Deinen Kommentar!
    LG
    Raik

  3. Lieber Michael,

    ich danke Dir für diese Worte. Ich freue mich, wenn ich mit meinem Text, der oft so beim Schreiben aus mir raussprudelt, Menschen unterhalten kann. Um So schöner ist es, wenn ich damit auch noch Freude verbreiten kann.
    Liebe Grüße
    Raik

  4. Hallo Raik
    Dein Reisebericht ist weit besser als so mancher Roman, einfach super beschrieben, ehrlich und doch sehr zutreffend. Allein Deine Beschreibung von der Reise macht schon Lust auf eine solche Fotoreise, aber die Fotos sind wirklich, wie von dir nicht anders gewohnt, einfach super. Jedes Bild lädt zum Staunen und Träumen ein.
    Solltest du diese Reise einmal anbieten, da wäre ich wirklich gerne dabei,
    Liebe Grüße aus der Wildschönau
    Michael

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