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DIE WILDE KÜSTE NORDSPANIENS

Eigenwilliges Baskenland haben wir vielleicht schon einmal irgendwo gehört. Aber Asturien, Kantabrien? Wo soll das denn sein?

Die Zeit ist reif für eine Reise. Den Rucksack voll gepackt mit Sehnsucht tuckert meine massiv unterfotografierte Seele in zwei Tagen von Deutschland über Frankreich nach Nordspanien.
Ich weiß gar nicht mehr genau wie lange es her ist, dass ich das letzte Mal für mich ganz alleine in vollkommener Ruhe und ohne Ablenkung fotografieren konnte. Ich will einfach nur weg, raus aus dem ganzen Wahnsinn und mein EXIT von COVID nehmen. Viele Anforderungen und Erwartungen habe ich nicht. Im Gegenteil, einfach eine schöne Zeit verbringen, wenn sich die Gelegenheit bietet mit dem Stativ im Atlantik stehen und genüsslich die Speicherkarten mit schönem Licht füllen. Es ist keine Fotoreise bei der jede Location im Detail auf ihre Möglichkeiten hin bis in die letzte Ecke durchgeplant ist, bei der ich versuche das letzte Quäntchen an Perfektion hinsichtlich Vorbereitung und Wetteroptimum zu erreichen. Natürlich verfolge ich das Wetterradar und schaue mir die Tidenstände pro Spot jeweils taggenau vor Ort an, aber aber ich möchte es genüsslich angehen.

Stormy Coast © Raik Krotofil
Stormy Weather © Raik Krotofil

Die Küste Nordspaniens ist unter Landschafts-Fotografen wenig bekannt. Angrenzend an den Süden Frankreichs beginnt die grüne Küste im Norden von Spanien. Ortschaften, deren Namen es auszusprechen schwer bis unmöglich ist, begrüßen mich mit einem Wetter was sagen will „geh wieder nach Hause“.

Wie sooft am Atlantik gilt auch hier der Spruch „wenn dir das Wetter nicht gefällt, komm doch in einer Stunde wieder“. Die Biskaya, bekannt dafür die Wetterküche Südeuropas zu sein und unter Seefahrern berüchtigt, ist extrem wechselhaft. Schnell ziehende Wolken, tief hängend und mit dem Regen eines kompletten Aprilmonats in Deutschland gefüllt, regnen vom Himmel herab. Was bei uns in Deutschland als unwetterartiger Starkregen bekannt ist, scheint hier ein normaler Regenschauer zu sein. Die Wolken sind aufgeladen mit der feuchten Luft der Tiefdruckgebiete über der Biskaya. So sorgt dieses wechselhafte Wetter für perfekte Bedingungen um eindrucksvollen Landschaftsfotos dieser wunderschönen Region möglich zu machen.

Costa Quebrada Green
Costa Quebrada Green © Raik Krotofil

Geprägt sind die Küsten diese Region von dem so genannten Flysch Gestein. Jahrmillionen alte Sedimentschichten wurden durch die Auffaltung von Gebirgen zu bizarren Linien und Bögen geformt. Diese oft wie Linien zum Licht führenden Gesteinsformationen sind die Sehnsuchtsorte für mich als Fotografen, der Seascapefotografie aus tiefsten Herzen liebt. Es wechseln sich Steilküste, lang gezogene, feinsandige und menschenleere Strände, mit dem saftig Grünen von Wäldern, ab. Eukalyptus in dichtem, fast jungelartigen Wald, dahinter stehen die weiss bedeckten Höhen der Picos de Europa.

Zumaia ist eine dieser typischen Orte, klein, beschaulich und der Strand geformt mit den typischen Flysch Formationen. An diesem Abend meint der Wettergott es gut mit mir. Tiefhängende Regenwolken verziehen sich und die von Feuchtigkeit geschwängert Luft wird pünktlich zur zum besten Licht in Farben getaucht, die es nur am Meer gibt. Der Atlantik scheint mild an diesem Abend zu sein. Seine Wellen sehen beherrschbar aus und so arbeite ich mich stückweise immer weiter nach vorne an den Gesteinslinien entlang und dem ablaufenden Wasser entgegen. Der erste Abend meiner Reise erfüllt mich mit tiefem Glück und Zufriedenheit, in diesen von Restriktionen, Verboten, und Einschränkungen dominierten Zeiten, dass es mir möglich ist, diese privilegierte Erlebnisse fühlen zu dürfen.

Nordspanien Zumaia @ Raik Krotofil Baskenland
Nordspanien Zumaia © Raik Krotofil
Biskaya Nordspanien Zumaia Baskenland
Nordspanien Zumaia © Raik Krotofil

Die erste Nacht im Camper wird sehr unruhig. Der Wind schaukelt das Fahrzeug und die keine drei Meter entfernten Wellen des Atlantik rauschen die ganze Nacht. Aber soll ich mich darüber beschweren? Das ist das Leben.
Eine Reise mit einem Camper oder ähnlich fahrbarem Untersatz zu machen, ist für Fotografen schon die perfekte Art und Weise zu reisen. Hier in Nordspanien ist es durchaus noch möglich, sich mit seinem Gefährt auf die Parkplätze nahe den Fotospots zu stellen. Vorher wird gemütlich was gekocht, vielleicht ein bisschen Fisch, Oliven, dazu ein kühlen Rioja. Im Anschluss an den leiblichen Genuss folgt der seelische. Samt Ausrüstung den Wellen entgegen und entspannt dem kommenden Abend zu huldigen. Dabei bietet sich die Möglichkeit, einfach noch zwei Stunden auf einem Felsen zu sitzen um zu sehen, wie das abschwellen der Tide schöne Gesteinsformationen frei liegt.

The Rocks Costa Quebrada © Raik Krotofil
The Rocks Costa Quebrada © Raik Krotofil

Die ganze Region vom Baskenland über Kantabrien und Asturien bietet so viele Möglichkeit, intensiv der Landschaftsfotografie nachzugehen, dass man hier mehrere Monate verbringen müsste, um zu behaupten, man hätte viel davon gesehen.

Die Costa Quebrada, die gebrochene Küste in Kantabrien ist der Spielplatz der Titanen. Riesige Felsen, die im Laufe der Jahrtausende von der immer währenden Brandung des Atlantiks angefressen werden, liegen vor einem als wären hier Riesen gewesen und hätten diese Steine zum Spielen genommen. Naturgewalt in einer Dimension, für die man ein paar Tage Zeit vor Ort braucht, um das Gesehene einzuordnen und zu verstehen. Allein an diesem Ort hier bei Liencres könnte ich locker drei oder vier Tage fotografieren ohne dass es mir langweilig werden würde.

The Beam Costa Quebrada © Raik Krotofil
The Beam Costa Quebrada © Raik Krotofil
The Rocks Costa Quebrada © Raik Krotofil
The Rocks Costa Quebrada © Raik Krotofil
Los Urros Costa Quebrada
Los Urros Costa Quebrada © Raik Krotofil

Immer wieder gibt es das klassische Wetter mit heftigen Winden und Regen über mehrere Stunden. Ich ziehe mich in meine rollende Bauhausung zurück, sichere mein Video- und Bildmaterial. Dabei stelle ich mir immer wieder die Frage, wann ich das ganze Bildmaterial fertig entwickelt haben werde. Eine unendliche Dichte an guten Fotos ist mir im Laufe der letzten Tage gelungen.

Kurz vor der geplanten Heimreise ändert sich das Wetter mal wieder in den bekannten Biskaya-Siff. Ich ziehe es vor, weiter ins Landesinnere in die Navarra-Region zu flüchten. Dort soll eine Halbwüste mit warmen Temperaturen, ohne Regen und einer einmaligen Landschaft auf mich warten.

Bardenas Reales
Bardenas Reales © Raik Krotofil

Bardesas Reales ist ein Naturpark mit einer Ausdehnung von um die 400km2. Das urzeitliche Meer wurde durch tektonische Hebung verlandet und die Lehm- und Kalksteinschichten wurden von der Erosion abgetragen und hinterlassen eine bizarre Landschaft. Von weitem liegt die Ebene vor mir, mit kleinen Inselbergen und Plateaus. Eine Erinnerung an den Südwesten der USA und einige Landstrichen Namibias wecken in mit das Abenteuergefühl.
Als ich mit meinem Pickup über die Schotterpisten tuckere fühle ich mich zurückversetzt, in die Reisen nach Namibia. Immer wieder halte ich an, steige kurz aus und bewundere diese faszinierende Natur. So müssen die sogenannten Tiramisuberge in Kasachstan aussehen, denke ich mir. Dort wollte ich auch schon hin, aber leider machte das Corona Jahr einen Strich durch mein Vorhaben.

Panorama Bardea Reales
Tele-Panorama Bardena Reales – starker Wind und schnell ziehende Wolken © Raik Krotofil
Bardenas Reales © Raik Krotofil
Bardenas Reales © Raik Krotofil

Währen ich mit Wind von 7 Bft kämpfe drücke ich fest auf mein Stativ, um überhaupt ein vernünftig scharfes Bild von dem Castil die Tierra zu bekommen. Diese Zipfelmütze ist der wohl bekannteste Punkt in der Gegend.
Das merke ich sofort, denn wie üblich an bekannten Spots tummeln sich die Leute mit Selfie-Stick und den üblichen verdächtigen Selbstdarstellungsposen, ohne die eigentliche wunderbare Umgebung überhaupt wertzuschätzen. Raus aus dem Auto, schnell noch Lippenstift auflegen, Selfie einsacken, weiterfahren.

Bardenas Reales © Raik Krotofil
Bardenas Reales © Raik Krotofil

Weit vor Sonnenuntergang nutze ich das wolkige Wetter, um die weichen Strukturen der lehmigen Erde ohne harte Kontraste zu fotografieren.
Danach suche ich Windschutz mit meinem Camper hinter einigen Hügeln und harre aus. Wie von fremden Mächten gesteuert schiebe ich mich doch gegen den Wind und erkunde das umliegende Terrain mit meiner Ausrüstung. Während ich die ersten Belichtungen mache, lässt der fiese Wind langsam nach und ein kleines Wolkenloch gibt der Sonne etwas Zeit, diese magische Landschaft in ein Licht der höchsten Güteklasse zu hüllen. Runde fünfzehn Minuten bleiben mir, um wie ein kleiner Wiesel mit meinem großen Rucksack von Motiv zu Motiv zu flitzen. Ohne vorher den Spot erkundet zu haben versuche ich, aussichtsreiche Perspektiven und Bildkompositionen zu finden. Diese Hektik mag ich eigentlich nicht, aber so ist die Natur nun einmal.

Bardenas Reales © Raik Krotofil
Bardenas Reales © Raik Krotofil

Diese intensive Reise in einen mir bis dahin unbekannten Teil Europas hat mir sehr viel wertvolle Zeit, wenn man den Anglizismus qualitytime überhaupt inhaltlich so übersetzen kann, gebracht. Ich erlebte eine innige Zeit in tiefer Verbundenheit mit meiner schwer Kranken Katze am Ende Ihrer Tage. Die kleine Maus im Arm haltend am Rande des Atlantik. Sie durfte die Nase nochmals in die Brise der Biskaya halten, schließlich steht in ihrem Impfpass als Geburtsort Bilbao.

Die Leckereien wie Pitxos, Paella, Iberico u.v.m haben meine Seele ebenso geheilt wie die banale Tatsache, in einem Restaurant zu sitzen, einer Aperol zu trinken und am frühen Abend einfach den Wellen beim Tanzen zuzusehen. Oder auf dem Markt frische Chipriones und Gemüse kaufen und auf dem Grill zuzubereiten. Einen leicht gekühlten Rioja nach dem Sunset auf einer alten Mauer schlabbern und die Gedanken in die Ferne über das Meer fliegen lassen.

Auf Leserwunsch zeige ich Euch dann noch ein Bild meines Gefährts in den Bardenas Reales.

ISUZU D-MAX und Tischer 260S – Bardenas Reales

Wenn Ihr beim Lesen ein wenig akustische Begleitung wünscht, könnt Ihr Euch mein Audiofile von den Bufones de Pria zuschalten:

Audio Biskaya Sound Nordspanien – Felsenküste bei den Bufones de Pria

Viel Freude beim Genießen der Galerie und dem Sound der Biskaya.

Raik

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