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SAKRALBAU AUS LICHT | LOWER ANTELOPE CANYON

Mountain Lion

AGGRESSOR

Ich bin mir sicher, dass vielen von euch dieser Ort nicht unbekannt ist, ich werde auch keine großen Worte über die geologischen Eigenarten und die Geschichte des Lower Antelope Canyon hier verlieren.

Sowas kann man sich in der Wikipedia in aller Ruhe reinziehen, wenn es denn für euch bedeutsam ist.

Mir geht es in diesem Stück hier eigentlich nur darum, euch von meinen Gefühlen und Erlebnissen bei meinem ersten und leider bisher einzigen Besuch, an diesem für mich wirklich magischen Ort zu berichten.

Es ist das eine gute Bilder einer schönen Location zu sehen und für sich den Anspruch zu hegen, diese Bilder selber und für sich zu realisieren.

Viel wichtiger als etwas selber Fotografieren zu wollen, ist es eine Location am eigenen Leib zu erleben, mit den eigenen Augen zu sehen, sie selber anzufassen und selber zu riechen und zu spüren.

Finde ich zumindest.

Vielleicht hilft euch dieser kleine Reisebericht dabei, euch an diesen wunderschönen Ort zu versetzen.

DIE ANKUNFT

Ich weiss es noch wie Heute als ich, Christian und Deryk damals unser erstes großes „Wir fotografieren jetzt mal wie die Großen“ Projekt geplant haben.

Für uns alle drei war von Anfang an glasklar das der Lower Antelope Canyon einer der absoluten Höhepunkte, einer an Höhepunkten ohnehin reich gesegneten Fotoreise sein würde.

Als wir am 7. Oktober 2009 gegen 13:00 mit unserem von Getränkedosen, leeren Beef Jerky Tüten, und den resten unserer Tankstellendiät kontaminierten Chrysler Aspen am Parkplatz ankamen, hatten wir bereits vier wunderbare Tage in den USA hinter uns.

Jetzt also war es dann endlich soweit:

Endlich das echte Ding erleben, mit eigenen Augen und mit allen Sinnen, genau den Ort sehen und erleben von dem man schon soviele wunderbare Fotos gesehen hat.

Beim Ausstieg aus dem wohlklimatisierten Auto hat man erstmal das Gefühl als würde einem feinster Wüstenstaub in den Rachen gekippt, die Sonne scheint so stark und grell dass man glaubt in einen gesprungenen Spiegel aus rotem Gewürzsalz zu blicken.

Das Atmen; Es fällt mir schwer.

Inmitten dieser abweisenden, roten und von der gnadenlosen Hitze stellenweise geplatzten Sandsteinwüste stehen:

  1. ein kleines weisses Kabuff
  2. ein schnuckeliges blauweisses Dixie Klo.
  3. und eine Handvoll Autos…

Geht man hin und subtrahiert diese paar Hinweise auf menschliches Leben, aus dem sich einem bietenden Gesamtbild bleibt nur noch rote, staubige Sandwüste und die Erkenntnis:

  • Das, dass Atmen, wenn man sich erstmal an die Hitze gewöhnt hat, gar nicht mehr so schwer fällt.

Das ist eine recht überschaubare Menge an Erkenntnissen wie ich finde, somit macht sich bei mir zwangsläufig und langsam aber dafür umso sicherer bittere Ernüchterung breit.

Das kann nicht wahr sein, wie soll etwas so schönes hier an diesem trostlosen Ort zu finden sein ?! NEVA EVAAAA….

Ich frage sicherheitshalber nocheinmal nach, nun ja nur um sicher zu gehen ob ich denn ausgerechnet HIER richtig bin, wenn ich zum Lower Antelope will….. so gefragt wie eine verklausulierte Reklamation…irgendwie…

Die alte und gütig aussehende Frau im Kabuff schaut mich an… Naja eben genauso wie jemanden den man anschaut, der offenkundig einen, nein mindestens zwei an der Klatsche hat.

Eigentlich schauen mich alle so an…..

Nachdem wir unsere Photographertickets gekauft und stolz die Aufkleber mit PHOTOGRAPHER drauf auf unsere Stative gepappt haben, kommt auch schon unsere 1,60 große maximal 50kg wiegende elfengleiche TourguidessLady und schart die etwa 15 Besucher um sich.

DER EINGANG

Es geht im Gänsemarsch in Richtung Wüste.

Nun trotte ich da nach Rechts und Links blickend vor mich hin und frage mich die ganze Zeit, ob die griesgrämige 50kg Elfenguidess uns vielleicht nicht doch irgendwo heimlich entsorgen will, als plötzlich und unvermittelt die ganze Gruppe zum stehen kommt.

Wir sind angekommen und ich frage Christian ob er den Eingang sieht (Er ist mein Freund da macht mir das mit dem mitleidigen angucken nix aus).

Er teilt mein Unwissen und sieht ansonsten genauso ratlos und zweifelnd aus wie ich.

Unsere „Petite Tourguidelady“ sagt nichts und geht zielstrebig auf einen langen tiefen und irgendwie total eng aussehenden Riss im Erdreich zu.

Besagte Lady verschwindet im Erdspalt und ich muss an Orpheus in der Unterwelt denken.

Sie ist weg und ward erstmal nicht mehr gesehen.

Der Spalt ist teilweise so eng, dass man seinen Rucksack abnehmen und sich seitlich fortbewegen muss.

Während man sich bemüht nicht zu stolpern, die nachfolgenden Teilnehmer nicht zu blockieren und auf keinen Fall seinen Rucksack zu verlieren oder sich gar mit dem Stativ zu verheddern, steht man vor einer Metalltreppe die in die Unterwelt führt.

INNER SANCTUM

Nachdem man einen Höhenunterschied von etwa fünf Metern hinter sich gebracht hat, ist man angekommen im Lower Antelope Canyon.

Die Luft ist angenehm kühl und trocken, es fällt mir sofort auf wie geschwungen und weitläufig die Felswände sich dem Betrachter präsentieren.

Die Formen und Strukturen haben eine klare Richtung und es sieht für mich genauso aus, als wären Wassermassen mitten im dahinfließen von einem Moment zum anderen in massives rotorangeblaues Gestein verwandelt worden.

Geil.

20091008-DSCF2393

Texture like Sun

Das Gestein fühlt sich nicht kühl sondern regelrecht kalt an, es ist rauh wie feines Sandpapier welches stellenweise mit Pockennarben versehen ist, die sich beim darrüberstreichen mit der Hand in die Haut zu schmiegen scheinen.

Auf dem Grund liegt Sand der so fein und granular ist, dass er wenn man ihn die Hand nimmt, restlos durch die schweißnassen Hände rieselt….. ich hatte wirklich gedacht dass ich mir staubige Hände hole.

Der Umstand, dass der „Dreck“ mir durch meine schweissnassen Hände rieselt, erinnert mich auf eine unheimliche Art und Weise daran, dass meine Anwesenheit für diesen Ort vollkommen ohne Belang ist.

Alles geht weiter seinen Gang, ob ich nun hier stehe oder nicht!

So etwas rückt die Perspektive, die man von sicher selber hat wieder zurecht.
Man wird quasi geerdet, wenn man es denn so sehen will.

DAS LICHT

Was mir als Fotograf sofort auffällt ist zum einen das niedrige Lichtniveau hier unten (was ich zwar erwartet hatte, aber nicht in diesem Umfang).
Auch wusste ich als alter Diafotograf, der noch mit den alten Farbkorrekturfiltern wie den 81er A | B & C gearbeitet hat, dass Licht in Schattenbereichen auskühlt (blauer wird).

Was mich aber wirklich überrascht hat war der Umstand dass man auf den ersten Blick eben nichts von der roten Pracht des Gesteins sehen konnte.

Ich habe eine Stunde gebraucht um zu begreifen woran das liegt.

REFLEKTIERTES LICHT

Der Lower Antelope Canyon ist ein sogenannter Slot Canyon, im Grunde nicht mehr als ein tiefer Riss der weit unter die Erde reicht.

Das Licht der Sonne trifft im oberen Bereich in den Slotcanyon ein und wird von den Sandsteinfelsen reflektierend quasi weitergereicht, wobei es auf seinem Weg nach unten stetig an Kraft und Intensität verliert.

Ich denke am besten kann man sich das vorstellen, wenn man sich das Licht als eine Flüssigkeit vorstellt, die mit einem riesigen Eimer in diesen Spalt im Erdreich geschüttet wird.

Ganz oben ist noch die volle Menge vorhanden, trifft auf die ersten Felsformationen wird von dort abgestoßen, wobei Teile der Flüssigkeit aber am Punkt des auftreffens hängen bleiben.
Unten angekommen ist dann nur noch ein Rest der ursprünglichen Menge vorhanden.

Eine Kaskade aus Licht quasi.

Der Trick beim Fotografieren von reflektiertem Licht ist es sich eben nur auf dieses Licht zu beschränken. Das oben eintreffende Sonnenlicht ist weiss und für uns vollkommen uninteressant.

20091007-DSCF2275

Christian @Work

Blendet man diesen obersten viel zu hellen Bereich beim Aufbau seines Bildes aus und konzentriert sich nur auf die bereits in Licht gebadeten Stellen im mittleren Bereich des Gesteins hat man die Kurve gekriegt.

BILDAUFBAU

Der Lower Antelope Canyon ist seiner Natur nach eine Vertiefung im Erdreich.

Wer sich mit dieser Erklärung zufrieden gibt und mit genau dieser Erkenntnis sich daran macht zu Fotografieren, wird nicht mehr an Fotografischer Substanz und Prosa mit nach Hause nehmen wie ihn der obige Satz enthält:

Nämlich furztockene Fakten.

Ich habe weiter oben ja in epischer Breite darüber geschrieben wie sich der Sand angefühlt hat, wie ich die Felsstrukturen als versteinertes Wasser wahrgenommen habe, wie mich die Texturen des Gesteins fasziniert haben.

Wenn ich also sage dass dieser Ort für mich einen sakralen, heiligen und magischen Charakter hat, dann kann ich für mich genau benennen welche Zutaten und Inhaltsstoffe dieser „Location“ mich zu meiner „Erkenntnis“ geführt haben.

Es sind dies folgende Dinge:

  • Das vom Sandstein reflektierte Licht.
  • Die weichen und fließenden Formen im Fels
  • Die Verbindung dieser beiden Elemente in Vollendung

Wenn Ihr also bei der Betrachtung der folgenden Bilder aus einem Gefühl heraus, die Lust verspürt mit euren Hände über die Felsstrukturen zu streicheln.
Wenn Ihr euch dabei vorstellt dass Ihr die Wärme der Steine spüren könnt (tatsächlich ist der Fels eher kühl bis kalt was es für mich nochmal faszinierender macht).
Und wenn Ihr euch an den vielen Farbabstufungen in den Rot und Orangetönen erfreuen und es zu würdigen wisst wie Farben und Formen miteinander harmonieren…..

Wenn Ihr also all diese Dinge beim Betrachten dieser Fotos spüren und nachvollziehen könnt, dann habe ich es geschafft meine Fotogeschichte zu erzählen und das viel erffizienter und schneller als mit diesen Eintausendsechshundert Wörtern hier.

20091008-DSCF2350

AKTUELLE SITUATION VOR ORT
Man hört und liest ja immer wieder, dass diese und die große Schwesterlocation im Upper Antelope Canyon zu einer Geldschneiderei verkommen sei.
Die Ticketpreise seien teilweise exorbitant hoch (>50$).
Auch würden wohl wahre Menschenmengen ohne Rücksicht durch die Schlucht getrieben wie beim Almauftrieb im Frühjahr.
Tatsächlich kann es schon sein, dass das alles auch so stimmt.
Ich muss gestehen auch wenn der Ticketpreis auf 100$ steigen würde, so wäre das allein für mich persönlich kein Grund auf einen Besuch zu verzichten. Der Ort ist in seiner schieren Schönheit so einmalig intensiv, das Geld als mögliche Begründung für einen Nichtbesuch für mich nicht gelten würde.
Bei zuvielen Menschen die sich durch die enge Schlucht winden sieht es schon anders aus.
Ich denke jedoch, dass wenn man seinen Besuch vielleicht in die Off Season legt und bspw. im Oktober hinreist und sich einen Wochentag aussucht, es von den Bedingungen vielleicht doch besser sein könnte?!
Aber wie gesagt mein Besuch hier, liegt nunmehr fast fünf Jahre zurück und ich kann mir eigentlich kein abschließendes Urteil über die Situation erlauben.
Versuchen würde ich es aber auf jeden Fall 100$ hin Menschenmassen her.

Viel Spass beim Schauen.