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GRAUVERLAUFSFILTER IN DER LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE

LAKE M O N O

LAKE MONO

GRAUVERLAUFSFILTER HELFEN UNGEMEIN

Das Gefühl kennen sicher viele Fotografen die sich das erste Mal mit der Landschaftsfotografie befassen: da steht man nun in einer wunderbaren Landschaft, die Sonne geht auf, der Bildaufbau passt, der Himmel glüht, präsentiert sich in den sanftesten Pastellfarben und schenkt uns wunderbar delikate Farbabstufungen. Dann drückt man auf den Auslöser und…..man sieht nichts, wirklich nichts von der sich einem darbietenden Pracht und Schönheit auf seinem Kameradisplay.

Entweder der Himmel ist weiß wie Schnee, oder aber der Vordergrund ist Schwarz wie Kohle und wenn man besonders viel Pech hat, tja, dann hat man sogar beides zugleich. Geht man nun hin und belichtet auf den Himmel, sieht dieser zwar gut aus, aber dafür sind die dunklen Bereiche im Bild rabenschwarz. Nimmt man dann wiederum die dunklen Bildbereich als Belichtungsgrundlage, passt es im Vordergrund zwar wieder famos, aber dafür haben wir wieder einen ausgewaschenen und reinweißen Himmel.

Ich vergleiche das immer mit einer zu kurzen Decke im Winter: zieht man sich die Decke über die Füße, sind diese zwar wunderbar warm eingepackt, aber um die Brust und den Kopf herum wird es dann gefühlt umso kälter. Umgekehrt dann das gleiche Spiel. Egal was man tut, es passt vorne und hinten einfach nicht zusammen.

An dieser Stelle ist die Sache  gelaufen und man kann drei Dinge tun:

  1. Einpacken (kommt für uns nicht in Frage)
  2. Belichtungsreihen machen und die Bilder am Computer wieder zusammenbauen.
  3. Grauverlaufsfilter einsetzen.

ZU GROSSER MOTIVKONTRAST

ALKALI HEAVEN

ALKALI HEAVEN

Der Grund für dieses vermeintliche „Versagen“ der Kamera oder des Fotografen, liegt eben nicht darin begründet dass der Fotograf etwas nicht beachtet oder unsauber gearbeitet hätte. Der Grund für das beschriebene Phänomen liegt einzig und allein in dem Umstand, dass der vorherrschende Motivkontrast das Lichtaufnahme- und wiedergabevermögen der Kamera sprengt. Ihr könnt euch jetzt (so ihr das wollt) die ganze Definition des Begriffs: „Motivkontrast“ in aller Ruhe im guten Wikipedia Eintrag anlesen…

Ihr könnt es euch aber auch einfacher machen und meine kurze Definition vor Augen halten:

Ein Bild mit zu hohem Motivkontrast ist GLEICHZEITIG zu hell UND zu dunkel!

Es ist im Grunde genauso wie mit einem Koffer, den man mit seinen Reiseutensilien packen muss. Es passt eben nur soviel rein wie Platz im Koffer ist. Ist er erstmal voll, gehen weder ein Zahnstocher noch ein paar Strapse rein. Man kann hingehen und sich auf den Koffer setzen in der Hoffnung, dass der Deckel zugeht, was aber zur Folge haben wird, dass alles was bereits drin ist irgendwie leidet. Also verzichten wir doch besser von vornherein auf alles was wir nicht brauchen oder?! Was wir nämlich nicht brauchen ist alles was weiss oder zu hell ist in unserem Bild. Ebensowenig wie großflächiges Schwarz, wo keine Strukturen mehr zu erkennen sind.

Weiss lassen wir weg weil es die Summe aller Farben ist. Bekommen wir kostenlos und ohne Aufwand durch Addition  im RAW Konverter hin.
Das selbe gilt für das Schwarz welches durch die Abwesenheit aller Farben glänzt, das bekommen wir analog zum Weiss ebenfalls im RAW Konverter hin.

WAS MACHEN GRAUVERLÄUFE?

Saint Valery en Caux

Saint Valery en Caux

Ein Grauverlaufsfilter reduziert das zu viel vorhandene Licht im Himmel und ermöglicht es uns auf diese Weise, die im Himmel eingesparte Lichtmenge in die Aufhellung des Vordergrunds zu investieren.

Weil wir also von vornherein Schwarz und Weiss beschneiden nehmen die “Zwischentonwerte”, ich meine damit alle Tonwerte zwischen Schwarz und Weiss, den nun freigewordenen Platz ein und machen sich breit.

Ergebnis ist eine sogenannte Tonwertspreizung.

Die Farbabstufungen werden auf diese Weise delikater, feiner und einfach schöner. Selektive Farbkorrekturen in der EBV sind somit nicht mehr notwendig.

Diese führt Live und im Feld bereits in der Kamera dazu das die Farben in aller Pracht erstrahlen.

Ein weiterer Vorteil: Wir füllen den Sensor nur mit dem Signal welches für uns wichtig ist und schleppen nichts mit,  was wir nicht brauchen. Wir kontrollieren somit das eingefangene Licht und dessen Farbspektrum.

Und auf diese Weise lernen wir auch noch mit Licht zu arbeiten.

ABSTUFUNGEN VON GRAUVERLAUFSFILTERN

Um die volle Flexibilität des Fotografen zu gewährleisten werden Grauverlaufsfilter in verschiedenen Stärken (auch Dichten genannt) angeboten.

Ein Grauverlauf der im oberen Bildbereich die zu hellen Bereiche um einen Lichtwert reduziert, wird mit der Ordnungszahl ND 0.3 (ND steht hier für Neutraldichte) bezeichnet. Ein solcher Filter reduziert die Lichtmenge im Himmel um einen Lichtwert. Er halbiert einfach die Lichtmenge in diesem (und nur in diesem) Bereich. Bei einem Neutral Density Grad (Neutral Dichte Verlauf) von ND 0.6 haben wir es also mit einem Filter zu tun der die Lichtmenge im Himmel zweimal hintereinander halbiert.

Grauverläufe werden überwiegend in vollen Lichtwertsprüngen angeboten:

NDG 0.3 entspricht 1 LW (Blende) Reduktion
NDG 0.6 entspricht 2 LW (Blenden) Reduktion
NDG 0.9 dann drei und ein
NDG 1.2 vier Lichtwerten Reduktion usw. usf.

Wenn Ihr bestimmen wollt welche Dichte zum Einsatz kommen soll, hilft folgende Faustregel: je dunkler der Vordergrund ist und je heller der Himmel im Vergleich zum Vordergrund, desto stärker muss der eingesetzte Grauverlaufsfilter sein!

Es gibt Grauverlaufsfilter in verschiedenen Verlaufsarten, zum einen mit einem weichen Verlauf und dann noch mit einem harten. Den Filtern mit softem Verlauf sieht man den Einsatz im späteren Bild bei unebenem Horizont nicht an. Die mit hartem Verlauf hingegen entfalten sofort ihre maximale Abdunkelungswirkung über die gesamte Länge des abgedunkelten Bereichs. Sie sollten mit großer Sorgfalt eingesetzt werden. Harte Grauverlaufsfilter machen immer dort Sinn, wo der Vordergrund extrem dunkel ist, wie bspw. an einem schwarzen Strand. Für Situationen wo die Sonne noch im Bild ist kann man auch sogenannte Reverse Filter einsetzen. Diese haben einen harten Verlauf in der Mitte der nach oben hin softer wird.

BRAUCHT MAN GRAUVERLAUFSFILTER ÜBERHAUPT?

WAVE

Ich weiss ja nicht wie es euch geht, aber 90% aller Probleme mit denen ich in der Fotografie konfrontiert werde, haben etwas mit Licht zu tun. Entweder mit zu viel oder zu wenig davon. Ich finde, ein Fotograf sollte Licht verstehen und damit schlußendlich auch umgehen können!

Deshalb lautet meine Antwort ganz eindeutig:

JA !

Ich brauche für meine Art der Fotografie unbedingt Grauverlaufsfilter. Es gibt aber Alternativen zum Einsatz von Filtern. Früher als ich noch auf Diafilm belichtet habe blieb mir gar nichts anderes übrig, als mit Grauverläufen zu arbeiten (Film / Dia nix EBV). Damals waren solche Filter sowas von unbekannt, dass mich der Fachberater beim größten Fotohändler in Köln angeschaut hat als hätte ich einen Knall. Auf seine in altväterlicher Weise vorgetragene und irgendwie gut gemeinte Frage folgte dann :

Jung, sach ens: Watt willste mit dem Plastikjeraffele? Watt soll denn datt eens bringe mit denne Coohking Kreatiwwe Siesteehm?

Als wir damals (es ist noch keine drei Jahre her mit dem legendären “Picture of the Day” Strang im DSLR-Forum) die Nutzung dieser Filter erklärt haben, war das ungläubige Staunen groß. Mich haben allen Ernstes User des DSLR-Forums angeschrieben und mir unterstellt, wir würden Schleichwerbung machen und den Leuten Blödsinn erzählen.

Heute kann man alternativ auch mit sogenannten Belichtungsreihen und HDR | DRI Techniken ähnliches erreichen. Der Ansatz ist hier jedoch ein anderer. Man fotografiert hintereinander eine Reihe von Fotos, die auf die Helligkeitsbereiche eines Motivs hin belichtet werden und setzt aus diesen dann ein korrektes Bild am Computer zusammen. Andere Möglichkeiten der Kontrastkontrolle gibt es leider keine. Will man gute Landschaftsfotos, braucht es Grauverlaufsfilter oder Sitzfleisch am Computer. Und wir sind Landschaftsfotografen, die draußen sein wollen um von unserem regulären Job am Computer abschalten zu können!

WARUM ICH MIT FILTERN ARBEITE

Der Grund, warum ich in meiner Landschaftsfotografie überwiegend und fast ausschließlich mit Grauverläufen arbeite, liegt an einer ganzen Reihe von persönlichen Gründen:

  1. Ich bin teilweise tausende von Kilometern von Zuhause weg und jeder Sonnenauf- oder Untergang ist ein einmaliger Moment. Aus diesem Grund brauche ich vor Ort und zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits die absolute Gewissheit darüber, dass ich meine Bildvorstellung erfolgreich realisieren konnte.
  2. Mir fehlt bei Belichtungsreihen oft die nötige Vorstellungskraft, ob das am Computer zusammengerechnete Foto wirklich der Situation vor Ort entspricht oder nicht. Ich erinnere mich dann nicht mehr daran ob die Farben vor Ort wirklich so waren oder vielleicht doch anders.
  3. Ich mag es nicht, wenn ich in meinem Lightroom Katalog aus einer ganzen Reihe von im Grunde falsch belichteten Fotos mögliche Kandidaten für eine Veröffentlichung heraussuchen muss, die dann erst später zu einem Bild werden. Das gibt mir das Gefühl, als Fotograf kein einziges korrektes Foto geschossen zu haben.
  4. Ich arbeite in der IT Branche und hänge den ganzen Tag am Bildschirm. Meine Plautze wird immer größer und ich will nicht so lange am Computer sitzen um in dreißig bis sechzig Minuten ein Bild am Computer zusammenzubauen.
  5. Ich will den Großteil meiner Zeit als Fotograf primär im Feld und in der Natur fotografierend verbringen. Mein Ehrgeiz ist es, meine Fotos zu 90% in der Kamera fertigzustellen.
  6. Die restlichen 10% mache ich am Computer, wobei jedes Bild maximal zehn Minuten EBV benötigen darf. Sind es mehr, heisst das für mich eigentlich nur, dass ich im Feld unsauber gearbeitet habe.
  7. Primär geht es mir also darum, Licht vor Ort zu beherrschen und der EBV nur soviel Platz einzuräumen wie nötig.

Letztendlich muss aber jeder für sich entscheiden ob die oben von mir genannten Gründe nachvollziehbar sind oder nicht. Beide Techniken haben ihre Vor- und Nachteile ich bin da kein Dogmatiker. Erreiche ich ein Bildergebnis nicht mit Filtern, bin ich mir nicht zu schade, auch die alternativen Techniken zur Anwendung zu bringen. Fakt ist jedoch: wollt Ihr gute, handwerklich solide und atmosphärisch dichte Landschaftsfotos machen, so müsst ihr das Licht für eure Zwecke formen.

LIGHT MY WAY

LIGHT MY WAY

FILTERSYSTEME

Es gibt Grauverlaufsfilter in rechteckiger und in runder Form. Die runden Filter sind für mich ehrlich gesagt ein Beleg dafür, dass man beim herangehen an ein Problem das selbige irgendwie nicht so richtig begriffen hat. Wenn ich im Feld bin möchte ich schon selber entscheiden, wie und an welcher Stelle mein Horizont verläuft. Ein Filter, der davon ausgeht, dass mein Horizont immer mittig ist, schränkt mich in meiner Kreativität ein und schreibt mir vor, wie meine Bilder auszusehen haben. Aus diesem Grund gehören runde Grauverlaufsfilter zum Aufschrauben auf das Objektiv in die Kategorie “Dinge die die Welt nicht braucht”.

Rechteckige Filter hingegen bieten dem Fotografen maximale Flexibilität und Freiheit beim Bildaufbau, können vor der Linse frei verschoben, gedreht und gewedelt werden. Das Prinzip bei allen Anbietern ist immer das gleiche. Man nehme einen Adapterring, der im Durchmesser mit dem Frontgewinde des oder der Objektive korrespondiert, an welche er geschraubt werden soll. Dann befestige man an diesen Adapterring den Filterhalter, in welchen dann die Grauverlaufsfilter eingeschoben werden.

ANBIETER VON GRAUVERLAUFSFILTERN

Es gibt heute mehrere große Anbieter, die alle diese Komponenten unter eigener Marke anbieten.

  1. LEE
  2. HiTech
  3. Haida
  4. RayMasters
  5. Nisi

Das Lee Filtersystem ist fraglos als Profisystem zu werten und erfüllt alle Anforderungen eines professionellen Landschaftsfotografen. Die Grauverlaufsfilter sind extrem farbneutral und produzieren auch bei einer Kombination mehrerer Filter keine nennenswerten Farbverschiebungen.

HiTech ist ein sehr günstiger Anbieter und hat vor kurzem seine Filter mit einer neuen Konfektionierung versehen. Ich habe nur Erfahrungen mit den alten HiTechs und kann sagen: wenn man mit Farbverschiebungen bei der Kombination von zwei Filtern leben kann (es entsteht ein deutlich sichtbarer Magenta Ton in den Bildern), bieten die eine Alternative zu den teuren LEE Filtern. Aber wirklich nur wenn monetäre Gründe einem Kauf von Lee Filtern entgegenstehen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass erfahrene Fotografen nach einiger Zeit doch zum farbneutralen Lee Filter greifen und die HiTech Filter wieder abstoßen.

Haida ist ein chinesischer Hersteller, der ein großartiges Produktportfolio für Landschaftsfotografen auf den Markt gebracht hat. Insbesondere die ND Filter der Firma Haida sind unschlagbar in Preis und Qualität (= Farbtreue) und auch der 100mm Filterhalter mit sehr günstiger Polfilterlösung ist ein sehr zu empfehlendes Produkt zum günstigen Preis.
Haida Filter sind anders als die Angebote von Lee aus echtem Glas.

Alle Halter der verschiedenen Anbieter sind im übrigen imstande, die Filter des Wettbewerbs aufzunehmen und zu halten. Man sollte nur darauf achten, die richtige Filtergröße von 100mm zu kaufen. Für Vollformat Fotografen kommt im Grunde keine andere Filtergröße in Frage. Lediglich für Superweitwinkelobjektive mit gewölbter Frontlinse wie z.B. das Nikon 14-24mm f/2.8 muss auf ein 150mm Filtersystem ausgewichen werden.

HINWEIS:
Wer von euch einen Workshop oder eine Fotoreise bei uns buchen möchte um seine Fotografie weiterzubringen, der sollte vor der Teilnahme wirklich und ehrlich in ein solches Filtersystem investieren. Ihr könnt sicher sein, dass ihr euch die Dinger nach dem Workshop sowieso kaufen werdet.

BASS HARBOUR HEAD LIGHT

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