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SEASCAPE-FOTOGRAFIE | LANDSCHAFTEN AM MEER

SEASCAPE-FOTOGRAFIE | LANDSCHAFTEN AM MEER

Die Landschaftsfotografie hat viele Facetten, darunter auch die Fotografie von Meereslandschaften. Und genau diese Art von Landschaftsfotos hat mich schon immer fasziniert. Sie ist zu meiner Lieblingsbeschäftigung geworden, wenn ich ans Meer reise und echter Genuss sowie Freude.

Jetzt, wo ich diesen Artikel schreibe, sitze ich in der Tat am Strand der Insel Mauritius, die Wellen des Indischen Ozeans brechen sich am Riff und es kommt in mir Inspiration auf, Euch meine Gedanken zu diesem Thema nieder zuschreiben. Aber egal wo auf der Welt ich unterwegs war, immer habe ich versucht, das Meer und seine Umgebung in einem Foto zu verewigen. Zum Beispiel das blaue Arktische Licht, es fesselt mich immer wieder, wenn ich in Norwegen am Meer stehe.

© Raik Krotofil - Lofoten - Saupstad

© Raik Krotofil – Lofoten – Saupstad

Sei es nördlich des Polarkreises – auf den Lofoten – oder in nicht all zu weiter Ferne in Italien; Stege, Felsen und Leuchttürme haben auf mich eine magische Anziehungskraft. Das mag wohl daran liegen, dass es im Südwesten Deutschlands, wo ich lebe, nun mal keine Leuchttürme gibt.

Hier auf Mauritius steht bei Albion ein klassischer Leuchtturm hoch über dem Meer. Verschiedene Standpunkte erlauben nur zum Sonnenuntergang differenzierte Motive. Sei es von ganz oben auf den Klippen oder weiter unten an den Felsen.

© Raik Krotofil - Albion - Mauritius

© Raik Krotofil – Mauritius – Albion

Doch die schwarze Lava macht es schwer, den vorherrschenden Motivkontrast zwischen der Landschaft und dem Himmel darzustellen. Oft verwende ich in diesen Situationen trotz eines starken Verlaufsfilters eine oder zwei weitere Belichtung pro Bild mit jeweils 2/3 Blendenstufen Abstand . Diese Technik habe ich mir im Laufe der Jahre bei solch extremen Situationen angewöhnt und sie ist dem Canon Sensor meiner 5DMK2 geschuldet, bei dem aus den Tiefen nun mal nicht viel herauszuholen ist, ohne mit Qualitätseinbußen wie Farbrauschen etc. leben zu müssen, erst recht bei hohen ISO Werten. Mittels Exposure Blending füge ich dann später in der EBV Teile des Himmels zusammen, damit die Schatten im Bild noch Zeichnung aufweisen. Selten verwende ich, wenn das Exposure Blending wegen sich bewegender Wolken nicht funktioniert, die neue HDR Technologie von Lightroom 6. Die Ergebnisse sind echt erstaunlich, auch wenn ich damit einen großen Teil der Kontrolle über die EBV aus der Hand gebe und viele es verachten. HDR klingt nach Anfänger, HDR kling bunt, HDR klingt nach keiner Ahnung. Ebenso vermeide ich mit dieser Technik, dass in den Bildbereichen, in denen der Verlaufsfilter zum Beispiel Felsen oder Türme abdunkelt, der Filtereinsatz im späteren Bild  zu sehen ist. Per se versuche ich mein Foto in der Kamera fertig zu haben und es ist mein Ziel on Location, um weniger Zeit am Rechner verbringen zu müssen, doch ab und zu lassen sich EBV Sessions eben in meinen Augen nicht vermeiden, um ein Ergebnis zu erreichen, was anders halt nicht geht. Es ist Plan B, wenn Plan A nicht greift, ich bin kein Dogmatiker.

© Raik Krotofil - Tellaro

© Raik Krotofil – Italien – Tellaro

Ich liebe es am Meer mit unterschiedlichen Verschlusszeiten zu spielen. Um dem Wasser Dynamik und ein streifenähnliches Aussehen zu geben, fotografiere ich mit Zeiten von 1/2 bis zu 1/16 Sekunde. Der Effekt der dabei entsteht, ist abhängig von der Fließgeschwindigkeit des Wassers und der Bewegung der Wellen.

© Raik Krotofil - Lofoten

© Raik Krotofil – Lofoten

Genau diese Streifen können auch zur Linienführung im Bild verwendet werden. Perfekt dafür ist dunkler Lavasand. Die weißen Schaumstreifen darauf haben es mir besonders angetan.

© Raik Krotofil - Teneriffa

© Raik Krotofil – Teneriffa – La Tejita

© Raik Krotofil - Teneriffa

© Raik Krotofil – Teneriffa – Benijo Beach

Um das Wasser nebelig erscheinen zu lassen, braucht es Felsen, an denen sich die Wellen brechen und die Schaumkronen dann dadurch bei Zeiten zwischen 5 und 20 Sekunden diese milchige Textur auf das Wasser zeichnen. Immer wieder fragen mich Menschen, die sich mit Fotografie nicht auskennen, woher der Nebel an den Felsen komme.

© Raik Krotofil - Italien - Vernazza

© Raik Krotofil – Italien – Vernazza

Damit das Wasser spiegelglatt wird, braucht es wiederum längere Belichtungszeiten. Wieder abhängig vom Wind und der Ruhe der Wasseroberfläche kann das zwischen 10 Sekunden und 2 Minuten sein. Dazu setze ich meinen 6 Blenden Haida ND-Filter ein, um diese langen Zeiten zu erreichen.

Bei sehr langen Belichtungszeiten entstehen bei starker Brandung Linien im Wasser, wie an dem Bild hier von der Ligurischen Küste zu sehen ist.

© Raik Krotofil - Italien

© Raik Krotofil – Italien – Portovenere

Langzeitbelichtungen erschaffen in meinen Augen Fotos, welche stillzustehen scheinen.

Die Zeit wird für x Sekunden angehalten, eingefroren und konserviert, ein Moment, den wir mit unserem menschlichen Auge so nicht sehen. Immer wieder stehe ich, auch wenn es bei uns Profis routiniert scheint, staunend am Display der Kamera, wenn eine Langzeitbelichtung vom Meer fertig belichtet ist. Mich überrascht immer wieder von Neuem die soeben erschaffene zeitlose Eleganz.

© Raik Krotofil - Tellaro

© Raik Krotofil – Italien- Tellaro

© Raik Krotofil - Frankreich - Etretat

© Raik Krotofil – Frankreich – Etretat

Wenn ich meine Reisen plane, schaue ich mir virtuell vorher genau an, wo in etwa Stege ins Meer ragen oder schöne Felsformationen zu finden sind. Stege schreien für mich nach Langzeitbelichtung. Ich mag diese statischen Gebilde, die majestätisch erhaben aus dem glatt gebügelten Wasser heraus stehen, perfekt dann mit ziehenden Wolken darüber.

© Raik Krotofil - Italien

© Raik Krotofil – Italien – Pietrasanta

Doch Vorbereitung und Planung ist nur die halbe Miete.
Gerade Gestern Abend wollte ich zu einem Steg nahe des Hotels Le Meridien bei Pointe aux Piments zum Sonnenuntergang fahren. Vor einigen Jahren war ich schon einmal hier und wusste um die fotografischen Möglichkeit Bescheid. Doch als ich ankam war der Steg weiß verziert und für eine Hochzeitsfeier zum Sunset geschmückt, prima! Naja, es ist ja nicht schlimm, das Nachbarhotel Le Victoria hatte ja auch einen Steg. Denkste, die Betonung lag auf hatte! Im Jahre 2012 stand er noch und nun?
Mich bestätigte wieder meine Devise, immer ausreichend vorher on Location zu sein um bösen Überraschungen ausweichen zu können. Entspannt suchte ich mir eine Stelle am Strand aus, an der Felsen im Wasser lagen. So konnte ich ein paar leise Bilder mit einigen Seeigeln im Vordergrund machen. Danach krabbelte ich noch am Strand entlang und suchte nach Motiven. Nach einiger Zeit fand ich diesen kleinen Priel. Genau zum richtigen Zeitpunkt, als am Himmel hinter den Wolken einige Lichtfinger erschienen. Für genau fünf Minuten, dann waren diese wieder verschwunden.
Oft muss es gar kein Drama sein, ich mag die leisen Fotos, reduziert auf einen schön geformten Felsen, zusammen mit einer Langzeitbelichtung.

© Raik Krotofil - Mauritius - Pointe aux Piments

© Raik Krotofil – Mauritius – Pointe aux Piments

© Raik Krotofil - Mauritius

© Raik Krotofil – Mauritius – Pointe aux Piments

© Raik Krotofil - Mauritius

© Raik Krotofil – Mauritius

Meer ist für mich ein Stück Sehnsucht und Lebensquelle.
Ich bin berauscht, wenn ich dort ankomme und die Autotür öffne. Das Rauschen der Wellen und das feucht-salzige Aroma in der Luft sauge ich tief in mich hinein. Es fehlt mir in meinem Alltag und oft sehne ich mich danach. Ich erinnere mich noch gut, als ich im Mai vergangenen Jahres am Faro de Punta Abona auf Teneriffa zum Sonnenaufgang war. Die Sonne kroch über den Horizont, unter mir klatschten die Wellen des Atlantiks an die Felsen. Ich hätte Stunden hier sitzen können und nur die Wellen beobachten. Später dann, als ich wieder im Arbeitsalltag war und mich ein Tag extrem nervte, sagte ich zu einem Kollegen ” Ich will zurück an meinen Leuchtturm, dort oben sitzen und den Wellen zusehen-nicht mehr, nicht weniger”.
Welch ein großartiges Gefühl, wenn der Sonnenuntergang schon auf der Speicherkarte ruht, am Horizont schweben tief dunkle Wolken vor dem Restorange der Dämmerung und Regenvorhänge küssen das Meer. Währenddessen kühlt die tropische Luft des Tages dezent von 32 Grad herunter und einige warme Regentropfen platschen durch das Resthaar direkt auf die Kopfhaut. Der Gesang von Webervögeln, welcher pünktlich zur goldenen Stunde anbricht, verklingt langsam wieder. Genau so ist es mir hier vor ein paar Tagen auf Mauritius ergangen.

Seascape dringt tief in meine Seele ein!

Doch man muss nicht immer nur in der Zeit des weichen Lichts unterwegs sein. Seascape kann man auch um die Mittagszeit, in der Zeit die von den meisten Landschaftsfotografen wegen ihren harten Lichts gemieden wird, machen. Das lohnt sich dann, wenn Ihr das Türkis des Meeres und den blausten Himmel des Tages haben wollt. Das ist dann, wenn die Sonne im Zenit steht. Wenn Ihr zusätzlich noch den Polfilter einsetzt und damit die Lichtreflexe aus der Wasseroberfläche nehmt, dann ist Postkartenzeit.

© Raik Krotofil - Mauritius - Anse La Raie

© Raik Krotofil – Mauritius – Anse La Raie

Für Seascape-Fotografie finde ich persönlich die Region der Ligurischen Küste, die Französische Atlantikküste, Teneriffa, und die Lofoten als Motivquellen, die nicht zu versiegen scheinen.
Mauritius selber bietet nicht allzu viel Diversifikation. Oft liegen dunkle Felsbrocken im Meer, die schwierig, bedingt durch deren optische Unordnung für einen geordneten Bildaufbau taugen. Die malerischen Buchten sind mit vielen Booten belegt, es gibt aber auch einsame Strände. Der Tidenhub schwankt je nach Mondphase zwischen 10 und 80 cm und die Brandung ist selten stark, da der Großteil der Küsten durch flache Riffe geschützt sind. Einzig im Süden um Le Souffleur prallt der Ozean mit aller Wucht an die schwarze Steilküste. Nur wenn der Himmel bewölkt ist, lässt sich der Dynamikumfang des schwarzen Gesteins und der hellen Gischt in ein Foto gießen. Mein Rhythmus hier war: Filter mit Reiniger benetzten, abwischen, Tuch davor halten, Tuch wegziehen, auslösen und wieder Filter mit Reiniger benetzten, abwischen …

© Raik Krotofil - Mauritius - Le Souffleur

© Raik Krotofil – Mauritius – Le Souffleur

 

Was braucht Ihr nun für die Seascape-Fotografie?

  • Zu erst mal einen Schutz für die Füße. Korallen, Muscheln, Seeigel, Steinfische, alles lauert da im Wasser und kann zu Verletzungen führen. Gerade die gut getarnten Steinfische sind nicht ungefährlich!
  • Natürlich Reinigungsflüssigkeit um die Optiken und Filter vom Salzwasser-Schmierfilm zu befreien; Mikrofasertücher am Besten in der Hosentasche.
  • Um die Spiegelungen in der Wasseroberfläche zu steuern nutze ich einen Polfilter.
    Für Langzeitbelichtungen auf jeden Fall einen ND-Filter, wobei ich persönlich den little Stopper mit 6 Blendstufen nutze.
  • Wellen, und gerade die am Atlantik, sind unberechenbar. Um meine Kamera vor Wasser zu schützen, habe ich einen Lenscoat im Rucksack.
  • Der nasse Sand gibt schnell nach. Deshalb bevorzuge ich Spikes am Stativ. Damit drücke ich selbiges so tief wie möglich in den Sand hinein. Langzeitbelichtungen benötigen eine stabile Basis, deswegen meidet den Bereich am Strand, wo innerhalb dieser Zeit Wellen den weichen Sand erreichen können und diesen unter dem Stativ bewegen.
  • In den wärmeren Gebieten solltet Ihr immer genügend zum Trinken dabei haben. Perfekt ist stilles Wasser, damit kann im Notfall auch mal ein Filter von Salzwasserspritzern sauber gespült werden.

Für die Bestimmung der Ebbe und Flut habe ich eine App auf dem Handy. An der Atlantikküste ist es nicht lustig, sich durch die anlaufende Flut den Rückweg abschneiden zu lassen. Hier kann der Tidenhub bis zu 8 Meter betragen. Es gibt zum Beispiel in der Normandie bei Etretat Rettungshöhlen in den Klippen. Dort muss man dann verharren, bis die Flut wieder abläuft. Eine Springflut kann am Mont-Saint-Michel bis zu 15 Meter  Höhenunterschied ausmachen! Beim Fotografieren am Meer vergisst man schnell die Zeit und ist gefesselt von dem Licht. Steht Ihr im Meer auf Felsen solltet Ihr in der Zeit des Gezeitenwechsels immer einen Blick auf Euren Rückweg haben.

Nun wünsche ich Euch für den nächsten Aufenthalt am Meer viel Spaß, genießt diese Zeit, immer goldenes Licht und lasst Euch nicht von den Wellen überrollen.

Liebe Grüße

Raik

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Gerhard,

    vielen lieben Dank für Deine Antwort. Es freut mich wirklich sehr, dass ich Dich mit dem Artikel abgeholt habe.
    Dir viel Freude mit den Fotos vom Meer und weiterhin viel Spaß mit den nassen Klamotten und der Seascape-Fotografie.
    LG
    Raik

  2. Hallo Raik,
    der ganze Artikel ist mir voll aus dem Herzen bzw. der Seele gesprochen. Auch ich habe immer wieder diese Affinität zum Wasser, finde Langzeitbelichtungen unglaublich spannend, weil ich im Voraus nicht weiß,
    was dabei rauskommt. Wasser ist auf jeden Fall ein faszinierendes Element.
    Und schön geschrieben hast Du den Artikel.
    LG Gerhard

  3. Hallo Raik

    Du triffst mich genau ins Herz mit dem Bericht. In den letzten Jahren bin ich dieser Art der Fotografie auch verfallen. Komme nur viel zu selten dazu dies zu tun. Die Leidenschaft wurde von Serdar in Teneriffa geweckt. Kann ich jedem nur empfehlen.

    Danke für den sehr anschaulich geschriebenen und extrem Informativen Bericht. Ich würde mir am liebsten grad nasse Füße holen.

    Gutes Licht
    Christian Mütterthies

  4. Danke für Deine Empfehlungen Raik! Die Bambus Kristall Tücher nutze ich auch. 🙂

    Beste Grüße,
    Dirk

  5. Also imho die beste APP für Gezeiten ist AYETIDES sehr viele Stationen, GPS Unterstützung, grafische Auswertung des Gezeitenverlaufs.
    Jeden Cent wert !
    Raik seine APP hat das in diesem Detailgrad nicht.

    LG
    Serdar

  6. Hallo Dirk,
    ich persönlich nutze eine Mischung aus Isopropylalkohol und destilliertem Wasser, welche ich in eine leere Sprühlasche umgefüllt habe.
    Bei Reinigungstüchern stehe ich auf diese hier:
    http://www.ebay.de/itm/like/221646358158?lpid=106&chn=ps&ul_noapp=true
    Damit bekomme ich wirklich fast alles streifenfrei sauber.
    Für die Füße nutze ich zum Beispiel:
    http://www.amazon.de/Cressi-Neopren-F%C3%BC%C3%9Fling-Ger%C3%A4teflosse-LX432503/dp/B00BHU35TU/ref=sr_1_4/280-6279762-6458214?ie=UTF8&qid=1458385626&sr=8-4&keywords=taucherschuhe

  7. Toll geschrieben Raik! Mich würden noch persönliche Erfahrungen/Empfehlungen zu Reinigungsflüssigkeiten/-tüchern und den Fußschutz interessieren. 🙂

    Beste Grüße,
    Dirk

  8. Hallo,

    ich selbst nutze den Tides Planner für iOS.
    Grüße
    Raik

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