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UNSERE KLEIDUNGSTIPS FÜR POLARFOTOGRAFINNEN

T H E R E M A I N S | Lofoten | © Serdar Ugurlu

T H E R E M A I N S | Lofoten | © Serdar Ugurlu

In der ewigen Top Ten Liste aller Fragen an uns, steht die Frage bzgl. der notwendigen Kleidung für eine Reise auf die Lofoten, zweifellos ganz oben.
Im folgenden Beitrag möchten wir dem geneigten Polarkreis Abenteurern sowie allen potentiellen Jägern & Sammlern arktischen Lichts unsere Empfehlungen mit auf den Weg geben.

DAS WETTER AUF LOFOTEN

Das Archipel der Lofoten liegt 300km nördlich des Polarkreises im Nordatlantik.
Die Lofoten stehen unter dem beruhigenden Einfluss des Golfstroms, es ist eben dieser Einfluss, der dafür sorgt, dass die Lofoten mit einem für diesen Breitengrad eher „milden“ Klima gesegnet sind.

Wenn es einen Landstrich auf Erden gibt, der für einen entspannten Fototrip zu den Polarlichtern prädestiniert ist, dann sind das die Lofoten.

So liegt die Durchschnittstemperatur in den beiden kältesten Monaten bei -1 Grad, des weiteren ist es wichtig anzumerken, dass die Luftfeuchtigkeit auch im Winter sehr gering ist. Dieser glückliche Umstand führt dazu, dass die Kälte nicht so unangenehm beißend wahrgenommen wird wie bei uns.

B R I T T L E N E S S | Lofoten | © Serdar Ugurlu

B R I T T L E N E S S | Lofoten | © Serdar Ugurlu

–10 Grad Celsius auf Lofoten fühlen sich nicht ansatzweise so unangenehm an wie –5 Grad bei uns.
Ja Super, dann iss ja alles in Butter 🙂

Oder ? …

DIE GEFÜHLTE TEMPERATUR

… Nun sind Durchschnittstemperaturen das eine, die individuell wahrgenommene Temperatur hingegen etwas vollkommen anderes. Es ist nämlich so, dass die niedrigste auf Lofoten gemessene Temperatur im Februar –15,7 Grad beträgt. Quelle: Wikipedia Jeder hier wird mir zustimmen, dass man Temperaturen in diesem Bereich durchaus als: „knackig kalt“ bezeichnen kann. Insbesondere wenn man sich vor Augen hält, dass wir als Fotografen eine Landschaft anders erleben als Otto Normaltourist.

Otto Normaltourist wird seinen Reisetag in aller Regel nicht so gestalten:

  • Abfahrt zur Sonneuntergangs-Location um 14:00 Uhr
  • Ankunft um 15:00 Uhr an der Location
  • Sonnenuntergang um 15:57 Uhr
  • Fotografieren bis zum astronomischen Sonnenuntergang um 18:07
  • Weiterfahrt zur nächsten Location und warten auf die ersten Polarlichter die sich warum auch immer erst gegen 23:00 Uhr zeigen.
  • Fotografieren bis 03:00 Uhr mit langen Wartezeiten.

Das sind mal locker flockig dreizehn Stunden Fotografie in Zeitlupe. Ihr könnt mir glauben: Wer von Euch über Stunden bei minus 5 bis minus 15 Grad Celsius in der arktischen Kälte gestanden hat, wird für Begrifflichkeiten á la:

„D U R C H S C H N I T T S T E M P E R A T U R“

im besten Fall ein müdes Lächeln übrig haben und im schlimmsten Fall überlegen, wie er dem Reiseleiter, auf langsame Art und Weise den Kopf abschrauben kann.

T H E S H A C K | Lofoten | © Serdar Ugurlu

T H E S H A C K | Lofoten | © Serdar Ugurlu

IMMER VOM WORST CASE AUSGEHEN

Gute Fotografie passiert nicht mal so nebenher und mit großer Hast zwischen zwei Pausen; in einem mit Standheizung ausgestatteten VW T5 Multivan ! Wer einmal durchgefroren ist, dem ist die beste Webasto Standheizung nicht Heizung genug, der Umstand das man ja Fotografieren wollte tritt dann in den Hintergrund.

Wer während einer langen Fotoexkursion von kalten Zehen und Fingern gemartert wird, und mit schmerzenden Gliedern zu kämpfen hat, wird wenig bis keine Kreativität mehr in sich haben, um beseelte Fotos mit nach Hause zu nehmen.
Ganz einfach weil jede Zelle des Körpers nach dem warmen Hotelbett schreit. In Anbetracht des Umstands das wir uns während unserer Lofoten Reisen zu Locations begeben die hundertfünfzig km vom Hotel entfernt liegen, braucht man an ein Taxi gar keine Gedanken zu verschwenden. Es gibt schlicht und einfach keins.

DIE BASIS ALLER WÄRME

Wenn wir stundenlang an einer Location auf Polarlichter hoffen, und oft in zugefrorenen Fjorden oder auf anderen Eisflächen stehen, spielen die Schuhe eine zentrale Rolle. Kälte frisst sich immer von unten nach oben, das tut Sie langsam und unbarmherzig.

Cold has its own Taste. It tastes of of a bitten Tongue, It coils around you, a living thing, a beast that means to kill you, not with wrath, not with tooth nor claw, but with the mercy of surrender, with the kindness of letting you go gentle into the long night after such burden of pain and misery. [Marc Lawrence | Prince of Fools (Red Queens War, Book 1) | Seite 268]

F I N A L D E S T I N A T I O N | Lofoten | © Serdar Ugurlu

F I N A L D E S T I N A T I O N | Lofoten | © Serdar Ugurlu

 

Wir wollen nix Pain and Misery und somit gehts los Packen wir unser Rüstzeug. Die erste und wichtigste Verteidigungslinie gegen das Monster das man Kälte nennt, bilden die Schuhe. Ich habe seit meiner ersten Scoutingreise auf die Lofoten solide Stiefel der Firma Kamik im Einsatz. Hierbei handelt es sich um das Modell:

KAMIK CODY

Dieser Stiefel ist im unteren Bereich ein Gummi- und im oberen ein Lederstiefel. Er ist bis unter die Naht somit vollständig wasserdicht. Darüber sollte das Wasser aber nicht gehen, sonst kriecht Feuchtigkeit in den Stiefel.
Ganz wichtig ist der Umstand, dass dieser Stiefel herausnehmbare Innenschuhe hat. Nun ist es so, dass man in diesen Stiefeln leider schwitzt (Gummistiefel remember?!). Der Innenschuh nimmt sich der Sache im gewissen Umfang an und leitet die Feuchtigkeit nach oben.

Wenn man nach jeder Exkursion die Innenschuhe herausnimmt und eben diese auf die Fußbodenheizung im Hotel legt, die Stiefel ebenfalls austrocknen lässt, wird man keinerlei Probleme mit kalten Füßen haben. Innenschuhe die nicht herausnehmbar sind, sind nach ein paar Tagen klamm und feucht und somit ergo:

EIN KÄLTEMAGNET

I N B E T W E E N | Lofoten | © Serdar Ugurlu

I N B E T W E E N | Lofoten | © Serdar Ugurlu

 

Bei den Socken schwöre ich auf Socken aus Merino Wolle, weil diese nicht kratzen und den Schweiss der Füße bestens ableiten. Gut, kostet zwar alles Geld aber die Dinger kauft man einmal und ein Paar reicht eigentlich auch, weil die schnell trocknen.

Mit dieser Kombination aus soliden, fast wasserdichten Stiefeln, herausnehmbaren Innenschuhen und Socken aus Merinowolle ist man Parterre bestens aufgestellt.

W E A T H E R E D | Lofoten | © Serdar Ugurlu

W E A T H E R E D | Lofoten | © Serdar Ugurlu

 

UNTERWÄSCHE

Auch der Unterwäsche kommt bei langen Wartezeiten in der Kälte eine große Bedeutung zu, hier sollte man sofort Nägel mit Köpfen machen und:
Entweder in sehr gute Merino Unterwäsche investieren, oder zu einem ähnlichen Preis auf Funktionsfaseruntewäsche setzen.

Ich habe mich damals für zwei Sets Unterwäsche von The North Face entschieden. Ok, 45 Euro für eine lange Unterhose erscheint teuer, aber der Komfort macht es mit normaler Baumwollunterwäsche einfach nicht vergleichbar. Anders als Baumwolle führen die modernen Fasern, die vom Schweiss resultierende Feuchtigkeit sehr schnell ab, und behalten auch bei langem Tragen über Stunden ihre Passform, ohne zu verknittern oder wegen Nässe zum Kältemagneten zu werden.

Baumwolle trocknet einfach nicht zeitnah!

Das ist bei modernen Kunstfasern eben nicht so. Geht den ganzen Weg und kauft ein komplettes Set bestehend aus langer Unterhose und einem Unterhemd.

C R A C K E D | Lofoten | © Serdar Ugurlu

C R A C K E D | Lofoten | © Serdar Ugurlu

 

DIE HOSE

Ich habe damals sehr lange geschaut, verglichen und mich dann schlussendlich für die Fjäll Räven Barents Pro entschieden. Diese Hose ist günstiger als die Hosen aus „moderneren“ Fasern. Die Barents Pro wird aus einer Faser gefertigt die sich G1000 nennt und seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts von allen möglichen Extremreisenden zu allen möglichen Extremdestinationen getragen wurde. Das gute Stück ist am Popo und an den Knien mit einer Armierung versehen die es ermöglicht, uns auch mal auf die Knie zu begeben oder auf kalten Steinen zu sitzen, um die Landschaft adäquat genießen zu können.

Beachtet bitte: die Hose wird zwar in verschiedenen Bundgrößen angeboten, aber alle Hosen sind gleich lang. Ein Gang zum Änderungsschneider muss also noch auf den Endpreis aufgeschlagen werden.

G I M S Ø Y | Lofoten | © Serdar Ugurlu

G I M S Ø Y | Lofoten | © Serdar Ugurlu

 

PARKA UND OBERKÖRPER

Die letzte Etage auf unserem Weg zu einer entspannten Fotoreise in die Nordpolarregion ist neben dem „Erdgeschoss“ in Form der Stiefel die wichtigste. Wer hier spart, der spart absolut und vollumfänglich am falschen Ende.

Remember: Cold is a living thing….. 🙂

Der Wind hier oben kann derart beissend und grimmig daherkommen, dass man Tränen in die Augen bekommt und der Rotz in der Nase zu Beton transformiert wird. Ein Parka der über euren Po reicht und aus starken und dickem Material gemacht ist hält euch warm!

Ihr habt mit Gegenwind zu kämpfen? Kein Problem, Parka zuschnüren, Kapuze mit Fellrand über die Ohren, den Rücken in den Wind drehen und im Windschatten eine Tasse heissen Kaffee oder Tee haltend, die kristallklare und schneidend frische Luft, mit einem wohligen Grinsen auf den Lippen genießen. Natürlich ist eine gute Kopfbedeckung unter der Kapuze nicht zu unterschätzen und gehört selbstredend in das Reisegepäck.

Ich verwende seit 2012 einen Fjäll Räven Yupik Parka. Er ist verhältnismäßig günstig und absolut warm und ein Traum von einem Parka ! Das Ding ist so warm, dass man beim Ausstatter nach 30 Sekunden schwitzt wie in der Sauna.

B R O K E N | Lofoten | © Serdar Ugurlu

B R O K E N | Lofoten | © Serdar Ugurlu

 

NÜTZLICHER KLEINKRAM

Ich persönlich arbeite sehr ungern mit Handschuhen, weil ich für meine „Arbeit“ mit der Kamera diese auch spüren muss. Da es aber nunmal kalt ist und die Kamera keinen Parka zur Verfügung hat, wird es irgendwann unschön. Deshalb habe ich auf meinen Reisen auf die Lofoten eigentlich immer Handwärmer auf Eisenoxid-Basis im Gepäck.

Die besten, die man für Geld kaufen kann, kommen aus Japan und haben einen Pinguin als Markenzeichen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass die Temperatur sich über Stunden angenehm gleichmäßig entfaltet. Das ist super wichtig, weil es mir ehrlich gesagt nichts nützt, wenn das Pad die ersten 10 Minuten extrem heiss wird nur um dann den Rest der 7 Stunden mit zehn Grad dahinzusiechen.

Der befreundete Fotograf Michael Lauer hat sich die Mühe gemacht und alle gängigen Handwärmer auf Oxidationsbasis einem Test unterzogen. Eine Lektüre dieses Beitrags ist für euch sicher interessant.

C O N E S | Lofoten | © Serdar Ugurlu

C O N E S | Lofoten | © Serdar Ugurlu

Auch wenn ich selber eher nicht so gerne mit Handschuhen arbeite es gibt auch Anwender die darauf schwören, der befreundete Fotograf Gerhard Aust schwört auf diese Handschuhe hier. Wer will kann ihn ja über seine Erfahrungen dazu befragen. Wer sich die alten Knochen nicht übermäßig verkühlen möchte wenn er sich zum Bildaufbau vor der Landschaft hernieder kniet, dem seien Knieschoner ans Herz gelegt.
Kann man für einen Appel und Ei bspw. hier kaufen.

OK Fleck Tarn ist vielleicht nicht so angebracht, aber  es gibt sie auch in klassisch schwarz oder im Hello Kitty Finish 🙂

Gerade an den vielen wirklich atemberaubenden Stränden der Lofoten, ist der Granit durch den grimmigen und feuchten Atem des Nordatlantik spiegelglatt. Hier sollte man sich Spikes gönnen damit man festen Stand auf dem Granit hat. Ihr bekommt gute Spikes für die Kamik Cody Stiefel HIER.

Nicht vertun, Spikes gehören zur Standardausrüstung für Touren im arktischen Winter !!!
Spikes sind ein absolutes Muss.

FERTIG LET THE GAMES BEGIN

Mit dieser hier beschriebenen Ausrüstung ist sichergestellt, dass Ihr euch während unserer Fotofestivitäten am Polarkreis maximal entspannt und herrlich warm gewandet dem Genuss der Landschaftsfotografie hingeben könnt.

Wir sehen uns dann auf eine Tasse heissen Kaffee oder Tee unter dem Polarlicht 🙂

D A N C I N G L I G H T S | Lofoten | © Serdar Ugurlu

D A N C I N G L I G H T S | Lofoten | © Serdar Ugurlu